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Fundstück: Petershain

Abschriften aus der Wochenzeitung "Die Kirche" (1955)

Kirche zu Petershain

Petershain eine der kleinsten Kirchgemeinden in unserem Gebiet. Entstehung des Ortsnamens: P. hieß auch Peterschein, soll auf die Umdeutung von Götterhain und Götterschein zurückzuführen sein. In der Nähe des Dorfes hat man der Sage nach auf einem Opferstein den heidnischen Göttern geopfert. Die Hauptopferstellen waren die Königshainer Berge. Sobald die Dorfbewohner den Schein des Opferfeuers gewahrten, eilten sie mit dem Ruf „Wir sehen den Götterschein“ zum eignen Opferfest. Als man später nach Einführung des Christentums eine Kirche oder Kapelle erbaute und sie dem Apostel Petrus weihte, wandelte man den Namen Götterschein oder Götterhain in Petershain oder Peterschein um. Im übrigen ist Petershain eine ursprünglich wendisch –sorbische Siedlung. Wendisch heißt Petershain Hosnitza (husso –die Gans).

Kirche in ihren Urbestandteilen wohl sehr alt. Ursprung unbekannt. Wahrscheinlich zunächst nur aus Holz u. Lehm ohne Turm.

Kirche steht jetzt unter Denkmalschutz. Außenwände bestehen aus Fachwerk. Da das Fachwerkholz schadhaft und sehr rissig geworden ist, hat man es überputzt, um es vor weiteren Zerstörungen zu schützen. Der Westteil der Kirche wurde verbrettert. Obwohl die Kirche keine Kriegsschäden erlitt, waren Dach und Außenputz so schadhaft, daß 1954 das gesamte Äußere überholt werden mußte.

Besonders wertvoll der aus vorreform. Zeit stammende Flügelaltar mit Holzschnitzerei, echt vergoldet. Auf den Flügeltüren Petrus und Andreas, wahrscheinlich die Schutzheilige der Kirche. Rückseite: Darstellungen aus der kath. Heiligenlegende, Geschichte v. d Unbefleckten Empfängnis der Maria. Kanze von 1500.Leider sind die Schnitzereien übertüncht. Ursprüngl. Zustand soll wiederhergestellt werden.

Kostbar die Deckenmalerei der Kirche.
Zwei sehr alte Glocken.
Taufschlüssel aus Zinn von 1652.
Alte seidengestickte Altardecke.
Sehr alt und originell das Petershaineiner Pfarrhaus.

Der 1. evangelische Pfarrer von Collm und Petershain,  Martin Kissitz, wurde am 1.Sonntag nach Trinitatis, am 8. Juni 1539 von D Martin Luther ordiniert.

Margen Grese

 

Einiges aus Petershain

Petershain ist eine kleine Gemeinde. Das wissen wir schon aus dem Bericht, der vor drei Jahren unter der Überschrift; Oberlausitzer Gemeinde-ABC; veröffentlicht worden ist. In einer kleinen Gemeinde ereignet sich nicht allzu viel. Aber doch soll man das Licht nicht unter den Scheffel stellen.

Allen denen, die Petershain noch nicht oder nur flüchtig kennen, soll noch einmal gesagt werden, daß wir in unserem Gotteshaus einen schönen aus vorreformatorischer Zeit stammenden Altar mit wertvollen Schnitzereien haben, vor dem schon mancher Besucher in Ehrfurcht und Andacht gestanden hat. Man sollte einmal darüber nachdenken, wieviele Gläubige im Laufe der Jahrhunderte vor diesem Altar ihr Gotteslob dargebracht haben. Leider ist unsere Kanzel im Lauf der Zeit sehr verbaut worden. Überhaupt hat man den Eindruck, daß die Kirche noch ganz anders wirken könnte, wenn sie von den Überfremdungen befreit würde, die immer wieder an ihr vorgenommen worden sind.

Am Sonntag vor Pfingsten haben wir unsere Orgel, die im Laufe der letzten Jahrzehnte fast unbrauchbar geworden ist, nach gründlicher Instandsetzung durch die Orgelbauanstalt Hermann Eule in Bautzen ihrer Bestimmung übergeben dürfen. Wer die Orgel vorher gehört und jetzt die Möglichkeit hat, ihren Klängen zu lauschen, erkennt sie nicht wieder. Das erste Lied, das die Gemeinde nun unter ihrer Begleitung singen durfte, war der Choral ,,Allein Gott in der Höh sei Ehr“. Im Anschluß daran haben wir die Konfirmation unserer Kinder gefeiert. Gott gebe, daß unsere Gemeinde niemals aufhören möchte, den Herrn zu loben in seinem Heiligtum!

Wir wollen uns nicht rühmen, sondern Gott preisen, daß wir in den letzten Jahren noch manche anderen Dinge in Ordnung bringen durften. Noch vor einiger Zeit hatten wir keinen ordentlichen Zaun um den Friedhof. Die Außen -und Innenwände der Kirche waren feucht und rissig. Die Leichenhalle war unansehnlich. Das Kirchendach wies Schäden auf. In der Umgebung des Pfarrhauses war manches nicht so, wie es jetzt aussieht. Nun haben wir alle diese Dinge in Ordnung bringen dürfen. Dank sei allen, die hier mitgeholfen haben!

Unsere Glocken sind uns durch die Jahrhunderte hindurch erhalten geblieben. Die große Glocke stammt mindestens aus dem 14. Jahrhundert,die kleine trägt die Jahreszahl 1554. Beide rufen uns bis auf den heutigen Tag zu: O Land, Land, Land, höre des Herrn Wort!

Bei aller äußeren Erneuerung sind wir aber auch darauf bedacht, daß das Leben unter Gottes Wort immer wieder neu wird. Wir singen jetzt in Petershain die neue Liturgie, die ja die ursprüngliche ist. Von Pfingsten ab verwenden wir nur noch das neue, das Evangelische Kirchengesangbuch. Gottes Heiliger Geist erneuere und festige unsere ganze Gemeinde, daß sie in all ihrem Tun nichts anderes suche als Gottes Ehre! 10.7.1955

Kirche v. 10.7.1955

 
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