Vorstellung: Daniel Schmidt. „Eigentlich bin ich kein Frühaufsteher“
Für Pfarrer Daniel Schmidt endet die Probezeit in Rothenburg. Der SZ erklärt er, warum er sich für die Stadt entschieden hat.
Pfarrer Daniel Schmidt, der aus dem nördlichen Brandenburg stammt, ist vor nicht ganz zwei Jahren nach Rothenburg gekommen. Er möchte die Kirchengemeinde auch in der nächsten Zeit leiten. Foto: André Schulze
Auch Pfarrer haben eine Probezeit. Und danach steht die Frage im Raum: Herr Schmidt, möchten Sie jetzt eigentlich in Rothenburg bleiben?
Ja. Ich werde mich für die Pfarrstelle bewerben. Ich habe das bereits mit meiner Frau beredet.
Was spricht für die Kirchengemeinde?
Es ist eine sehr attraktive Stelle. Die Gemeinde hat eine angenehme Größe. Sie ist, verglichen mit anderen Gemeinden, auch nicht stark zersplittert. Bei Gemeinden mit zehn und mehr Orten sehen wir häufig starke Zentrifugalkräfte. Dazu kommt, dass die Region volkskirchlich geprägt ist.
Erleichtert das die Arbeit?
Es macht einiges einfacher.
Sie haben es also gut getroffen?
Die Gemeinde hat von Anfang an viel getan, dass wir uns hier wohlfühlen können.
Das Bild von Rothenburg wird durch den Martinshof und das Orthopädische Zentrum bestimmt. Welche Rolle spielen die Einrichtungen für Sie als Pfarrer?
Es bringt Vorteile, wenn man diakonische Einrichtungen bei sich in der Gemeinde hat. Die Kooperation hilft zum Beispiel bei der Öffentlichkeitsarbeit. Das Schütz-Konzert im Sommer hätte die Gemeinde allein nicht auf die Beine stellen können. Auch in der Seelsorge gibt es Unterstützung durch die Kollegen im Martinshof und im Orthopädischen Zentrum.
Wie wichtig ist Ihnen der Austausch im Seelsorge-Teams?
Es verhält sich ähnlich wie in anderen Berufen: Bei Problemen schauen wir gemeinsam, was möglich ist. Im Gespräch kommen Ideen. Ich genieße nicht, dass die Besprechungen um 8 Uhr stattfinden. Ich bin kein besonderer Frühaufsteher. Aber ich genieße die Gespräche an sich.
Die Zusammenarbeit in einem Team – entspricht das Ihrer Vorstellung vom Pfarrersein?
Auch wenn ich als Pfarrer Entscheidungen allein treffen kann, ziehe ich es vor, andere zu beteiligen – nicht weil ich nicht fähig bin zu entscheiden, sondern weil ich ein Teil eines Leitungsgremiums bin. Für mich ist die liberale Vorstellung vom Pfarrer als Moderator wichtig.
Wie sind Ihre Erfahrungen mit den Rothenburgern?
Die Menschen sind relativ offen. Hier in Rothenburg ist es noch einfach. Ich kann auch Leute ansprechen, die nicht Gemeindemitglieder sind. Als Pfarrer bleibt es aber immer schwierig, Freundschaften zu knüpfen, weil man die private Person von der Amtsperson nicht trennen kann. Es bleibt immer eine gewisse Distanz, die man auch aufrechterhalten muss. Deshalb bleibe ich auch beim Sie. Das habe ich am Anfang deutlich gemacht. Es ist nicht böse gemeint. Es ist ein herzliches Sie.
Verhalten sich Leute, die nicht zur Kirchengemeinde gehören, Ihnen gegenüber anders?
Als Person wird man natürlich stark beobachtet. Man hat aber die Möglichkeit, vielen Leuten klarzumachen, dass die Gläubigen ganz normale Menschen sind. Ansonsten ist es aber kein großes Problem, da jeder Zweite in der Kirche ist. Jeder kennt irgendeinen, der zur Gemeinde gehört.
Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit den Katholiken? Wir sprechen auf Augenhöhe miteinander. Es gibt traditionell Gewachsenes, das wir gern weiterführen. Aber da mein Kollege und ich erst vor Kurzem hier angefangen haben, gab es auch noch nicht so viel Zeit, Neues anzugehen. Daneben fehlt auf beiden Seiten die Zeit für intensive Planungen und Gedanken für Neues. Das wird vielleicht in Zukunft anders.
Können Sie als Pfarrer außerhalb der evangelischen Gemeinde einen Beitrag für die Stadt leisten?
Ich bin gleich zu Beginn von Verantwortlichen aus verschiedenen Bereichen für eine Mitarbeit angefragt worden. Ich fand dies schwierig, ohne zu wissen, wie lange ich in Rothenburg wohnen werde. Außerdem muss man sich mit bestimmten Dingen eine Zeit lang auseinandergesetzt haben. In Zukunft werde ich mich nicht mehr so stark zurückhalten.
Beitrag SZ, 24./25.12.2011. Gespräch: Arkadius Guzy.
Kurzbiographie Daniel Schmidt
Schule:
1985-1991 Grundschule Neustadt / Dosse
1991-1998 Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe – Abitur
Wehrdienst:
1998-1999 Dienst in der Panzerartillerieeinheit 405 Dabel
Studium:
1999-2003 Grundstudium an der HU zu Berlin
2004 Studium „Master of Divinity“ an der “University of Stellenbosch” Südafrika
2005-2007 Hauptstudium an der HU zu Berlin – 1. Theologisches Examen
Vikariat:
2007-2009 Ev. Stadtkirchengemeinde St.-Laurentius Berlin-Köpenick
2009 2. Theologisches Examen
Entsendungsdienst:
Februar – März 2010 Ev. Stadtkirchengemeinde St.-Laurentius Berlin-Köpenick
April 2010 Ev. Kirchengemeinde Rothenburg
