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Fundstück: Klein Priebus (Podrosche)

Abschrift: Oberlausitzer Gemeinde-ABC. (Artikelreihe in "Die Kirche", 1950 bis 1952)

Der Chronist, der es unternimmt, die Geschichte der Kirchengemeinde Klein Priebus (früher Podrosche) zu schreiben, gerät leicht in Verlegenheit. Nicht, weil es ihm an Stoff fehlt, sondern weil er eher zu viel als zu wenig auf seinem Tisch ausgebreitet findet.

Da bringt zuerst die „Statistisch-topographische Übersicht der Dörfer, Flecken, Städte und anderer Orte der Provinz Schlesien“ von J.G. Knie aus dem Jahre 1845 allein 41 enge Zeilen in Kleindruck, die über Ort und Kirche viel Wissenswertes aussagen. 

Auch das Buch „Das Markgrafthum Oberlausitz“ des fleißigen Geschichtsschreibers Joh. Gottlieb Mischke aus Schadewalde vom Jahre 1861 berichtet über den an der „großen Straße aus Sachsen nach Polen“ an der Neiße gelegenen Ort und bemerkt in einer Fußnote: „Die Neiße soll früher ihr Bett da gehabt haben, wo jetzt die Häuser stehen“.

Außerdem schildert im „Heimatbuch des Kreises Rothenburg“ Robert Pohl (1924) auf den Seiten 198 – 200 ausführlich die Geschichte von Ort und Kirchgemeinde bis zum Jahre 1918. Überdies haben Chronist und Gemeinde das Glück, ein 92 Seiten starkes Büchlein zu besitzen, das von Pastor Max Deutschmann mit viel Liebe und Sachkenntnis geschrieben und 1907 gedruckt worden ist. Es enthält 4 Bilder und bildet die Grundlage für spätere Geschichtsschreiber.

Schließlich hat W. Adam, Priebus, in der „Heimat“, einer Beilage des „Neuen Görlitzer Anzeigers“, von 1931 einen flüssigen Bericht gegeben über „Podrosche und seine Kirche“, der eine Aufnahme der abgebrannten und ein Foto der neuen Kirche zeigt. 

Um unsere Leser nicht durch ein Übermaß an Daten und Zahlen und geschichtlichen Darlegungen zu ermüden, wollen wir im wesentlichen diesem Berichte Adams folgen. 

Der Ursprung des Ortes Podrosche ist in Dunkel gehüllt. Man nimmt an, daß die Gegend bereits im 7. Jahrhundert, als die Stämme der Lusitzer und Milzener in die Oberlausitz kamen, besiedelt wurde. Darauf deuten die 4 sogenannten „Königsgräber“ in Podrosche, Werdeck, Klein-Priebus und Buchwalde hin. Es sind dies etwa 8 bis 10 m hohe einzeln stehende, von Menschenhand aufgeworfene Hügel. Das „Königsgrab“ in Podrosche, worauf die Kirche steht, ist um 1670 um etwa 7m abgetragen worden. Aus den damals gefundenen Urnen wird geschlossen, daß es sich um Grabmäler für wendische Stammeshäuptlinge handelte, die im Kampf gegen die Polen gefallen sind. Andere vermuten, daß es Schutzwälle ehemaliger Befestigungsanlagen sind. 

Die erste urkundliche Nachricht über Podrosche stammt aus dem Jahre 1091.Aus jener Zeit wird eine Burgwardei Tzschelln genannt mit den Dörfern Pazorice und Schilani. Pajorice mag das spätere Podrosche (Poyderose) gewesen sein. Es unterstand dem Obergericht Görlitz. In einer Muskauer Kaufurkunde vom Jahre 1597 heißt es: „Dorff Podronen fur Priebus gelegen, sambt dem Hammer und der Mühle daselbst“. Podrosche (pro Droha) heißt wörtlich „am Wege“. Priebus bedeutet etwa dasselbe, nämlich „an der Furt“. Bis 1840 stand an dem Flußübergang ein Zollhaus. 

Die Einwohner sind meist kleine Bauern und Forstarbeiter. Früher schwelten auch die Kohlenmeiler im Walde, und die Köhler gewannen außer Holzkohle als wertvolles Nebenprodukt Pech. Reste einer Pechofenanlage sind beim nahe gelegenen Sichdichfürer See und dem „Pechofensee“ bei Werdeck zu entdecken. Aus einer alten 1785 erschienen Schrift gibt Adam über die Ordnung der Pech-Gewinnung folgende Sätze wieder: „In Podrosche kann jeder Bauer oder Häusler für sich Pech brennen und den Ofen benutzen. Jeder Ofen hat einen sogenannten Pechrichter, der neben einigen Bauern die Kosten der Erbauung des Ofens trägt, ihn in baulichem Zustand erhält und für die Kessel sorgt. Wer sich nun von den Einwohnern des Ofens bedienen will, gibt dem Pechrichter einen gewissen Zins. Auch hat jeder Ofen seinen einen Pechsieder“. 

Wenn auch das Dorf an einer alten Handels- und Heerstraße liegt, die von Görlitz nach Frankfurt a.O. oder auch von Sachsen nach Polen führte, so ist es doch dem heutigen Verkehr weit entrückt, denn die nächste Bahnstation Steinbach liegt 10 km entfernt. Durch den Bau der neuen….Straße, die Lodenau mit Muskau verbinden wird, soll diesem Übelstande abgeholfen werden. 

Die Geschichte der Grenzkirche Podrosche ist rasch erzählt. Um sie recht zu verstehen, ist es wichtig, das nach dem Dreißigjährigen Kriege geltende Recht kennen zu lernen. Es galt das sogenannte jus reformandi, das seine Grundlage durch den Speyerer Reichsabschied von 1526 erhalten hatte und an die Bestimmungen des Augsburger Religionsfriedens von 1555 anknüpfte. Auch im Westfälischen Frieden wurde dies Recht anerkannt. Es legte die Entscheidung über die Religion der Untertanen grundsätzlich in die Hände des Fürsten. Wechselt der Landesherr sein Bekenntnis, dann hatte mit ihm jeder seiner Untertanen sich diesem Religionswechsel anzuschließen; tat das der Untertan nicht, dann war der Landesherr befugt, jeden Andersgläubigen auszuweisen. Die protestantischen Fürsten übten das jus reformandi aus, um die Lehre Luthers in ihrem Lande einzuführen und allgemein durchzusetzen, während die katholischen Fürsten bestrebt und berechtigt waren, in ihren Ländern den katholischen Glauben zu erhalten. Es gab also fortan in Deutschland evangelische und katholische Länder. Bekenner der anderen Religion war nur ausnahmsweise geduldet; aber als gleichberechtigt mit den andern galten sie grundsätzlich nicht.

1539 hatte die evangelische Lehre in unserer Gegend Eingang gefunden, und die Podroscher und die Einwohner der anderen kursächsischen Nachbarorte gingen in die Kirche nach Priebus, wo evangelisch gepredigt wurde. Im Herzogtum Sagan wandte Fürst Lobkowitz 1668 das jus reformandi an, um zu katholisieren. Er ließ die evangelischen Kirchen schließen und gab sie den Katholiken zurück. Die evangelischen Geistlichen wurden ausgewiesen. Zwar wurden Andersgläubige geduldet, aber in der Ausübung ihrer Religion „gehindert“. Ausgewiesen wurden die evangelischen Geistlichen in Priebus Gottfried Scheffler, Diakonus Martin Mylius und der evangelische Schullehrer Johannes Moller. Am 22. März 1668 wanderten sie mit ihren Familien über die Neiße nach Podrosche, das zu Kursachsen gehörte, wo der protestantische Fürst Johann Georg regierte. Am Gründonnerstag des genannten Jahres predigte Mylius unter freiem Himmel auf dem Marktplatz in Podrosche. Bald beschlossen die Protestanten eine Kirche zu erbauen. Erst reichten die Mittel und die Kräfte nur dazu, auf dem „Königsgrabe“ einen einfachen Kirchenschuppen aufzustellen, der 1689 durch einen weiträumigen achteckigen Fachwerkbau, eine schöne ansprechende Grenzkirche, ersetzt wurde. Sie mußte Kirchgänger aus 25 Gemeinden aufnehmen. Der neben die Kirche gestellte wuchtige Turm hatte 2 Glocken zu tragen, sie riefen sonntäglich 6 oberlausitzische Dörfer: Werdeck, Klein-Priebus, Buchwalde, Dobers, Leippa und Podrosche, die zum Kirchspiel gehörten, zum Gottesdienst. 

Dieser weiträumige Kreis der Besucher der „Kirche zum Berge Christi“ hob ihre Bedeutung weit über die anderer Kirchen der Oberlausitz hinaus, bis 1742 Schlesien und das Herzogtum Sagan preußisch wurden. Podrosche kam erst 1815 zu Preußen. Friedrich des Großen religiöse Duldsamkeit ist bekannt. In einer Randbemerkung vom 22. Juli 1740 brachte er sie mit diesen Worten zum Ausdruck: „Die Religionen Müssen alle Toleriret (geduldet) werden, und muß der Fiskal nur das Auge darauf haben, das keine der anderen abtrug Tuhe, den hier mus ein jeder nach seiner Fasson Selig werden“. 

Die Andersgläubigen wurden nun auch im Herzogtum Sagen nicht mehr „behindert“, und Priebus und Freiwaldau u. a. konnten sich jetzt eigene evangelische Kirchen bauen, sie brauchten nicht mehr nach Podrosche zu gehen. – 

Am 15. Mai 1907 schlug ein Blitz in das alte Gotteshaus, und es brannte vollständig nieder. Nur ein alter schöner Taufengel, der sich gerade zur Ausbesserung im Pfarrhaus befand, blieb erhalten. Die neue Kirche wurde an derselben Stelle im selben Stil, aber massiv und in geschlossener Form erbaut und am 4. Juni 1908 eingeweiht. Rechts vom Aufgang zur Kirche wurde nach dem ersten Weltkrieg ein Ehrenmal errichtet.

Als einer der bedeutendsten Geistlichen in Podrosche darf wohl Pastor Deutschmann gelten, der nicht nur eine ausführliche Geschichte des Kirchspiels schrieb, sondern auch innig mit seiner Gemeinde und allen ihren Gliedern verwachsen war. Er hat ihr 42 Jahre bis 1916 treu gedient. 

E. W. G. (21. 6. 52) 

 

In den folgenden Jahren amtierten die Pastoren Gerhard Deutschmann, Dienel und Graeber Die Ereignisse des Frühjahres 1945 brachten der Gemeinde viel Leid. Acht Wochen war hier Front. Viele Häuser brannten nieder, und keines kam ohne beträchtlichen Schaden davon. Auch die Kirche wurde schwer beschädigt. Durch große Geldspenden von kirchlichen Stellen wurde es ermöglicht, das Gotteshaus soweit instand zu setzen, daß es die Gemeinde allsonntäglich wieder zu sich ruft. Vor kurzem wurde auch die Orgel wiederhergestellt, die durch Witterungseinflüsse unspielbar geworden war. Es bleibt noch die Aufgabe, die zersprungene Glocke umgießen zu lassen. Die wirtschaftlichen Verhältnisse der Gemeinde haben zur Folge, daß es länger dauert mit der Wiedergutmachung der Kriegsschäden als bei anderen Gemeinden.

Pfarramtlich verbunden mit Kl. Priebus ist das ca. 8 km nördlich davon, auch an der Neiße gelegene Pechern. Eine schöne, vielleicht 350 Jahre alte Fachwerkkirche befindet sich dort. Ursprünglich zu Muskau gehörend, ist seit mehreren Jahrzehnten das Kirchspiel dem näheren Podrosche, jetzt Kl.Priebus, angegliedert. Die Geschichte des Ortes war auch sehr bewegt. Durch Kriege hat die Bevölkerung, obwohl Pechern sehr versteckt liegt, immer wieder zu leiden gehabt. Der Name rührt her von Pechöfen, die Jahrhunderte hindurch in Betrieb waren. In den letzten Jahrzehnten war auch eine Braunkohlengrube eröffnet worden, die dem Ort einen vorübergehenden wirtschaftlichen Aufschwung brachte. die Grube wurde aber wegen Unrentabilität wieder geschlossen. Eine dringliche Aufgabe hat die Gemeinde dadurch erhalten, daß in dem Kirchengebäude durch Schwamm große Schäden entstanden sind, deren Behebung ohne kirchliche Beihilfen niemals von der Gemeinde erreicht werden würde. Es sind aber bereits Mittel in Aussicht gestellt, für die die Gemeinde dankbar ist. So ist zu hoffen, daß das wertvolle alte Gotteshaus in seinem Fachwerkbau erhalten werden kann. 

B. (Biewald)

 
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