Ökumene: Kirchengeschichte aus Reichenbach
Das Buch „Eduard Ludwig Nollau - Mission und Migration im 19. Jahrhundert. Eine Spurensuche“ ist erschienen. UCC-Conference Minister David Moyer aus Wisconsin nahm die ersten Exemplare des Symposien-Bandes über Eduard Ludwig Nollau mit nach Amerika.
Von rechts: David Moyer, Conference Minister (Wisconsin), Superintendent Thomas Koppehl (Niesky), Pfarrer Christoph Wiesener (Reichenbach), Pfarrerin und Übersetzerin Jill Vogt (Niesky), Pfarrer Hans-Wilhelm Pietz. Fotos: Ernst-Bertram
Bettina Ernst-Bertram
Der Aufsatzband „Eduard Ludwig Nollau - Mission und Migration im 19. Jahrhundert“ hatte am 14. Januar 2012 im Nollau-Museum in Reichenbach/Ol Premiere. Das 255 Seiten starke Buch erschien als Band 11 der „Studien zur Schlesischen und Oberlausitzer Kirchengeschichte“. Darin sind Beiträge beider Nollau-Symposien enthalten, die im Jahre 2010, dem 200. Geburtsjahr Nollaus, mit deutsch-amerikanischer Beteiligung zum Thema „Migration und Heimatsuche im 19. Jahrhundert“ in Nollaus Geburtsort Reichenbach (1. bis 4. Juli) und am Eden Theological Seminary (5. bis 6. November) in St. Louis (MO) gehalten wurden. Die Beiträge sind sowohl in deutscher als auch in englischer Sprache veröffentlicht. Der im Auftrag des Vereins für schlesische Kirchengeschichte von Thomas Koppehl herausgegebene Band enthält Texte von Martha Ann Baumer (St. Louis, USA), Christoph Ernst (Hannover), Anita Mallinckroth (USA), Dietrich Meyer (Herrnhut), Nancy Nollau Mack (USA), David Nussmann (USA), Frederick Trost (USA), Joachim Bahlcke (Stuttgart), Trudla Malinkowa (Bautzen) und Frank Metasch (Dresden) sowie zwei Dokumente aus dem Kirchlichen Amtsblatt der Kirchenprovinz Schlesien, gefunden im Daubitzer Kirchenarchiv: ein konsistorialer Aufruf an Gemeinden und Geistliche in der Evangelischen Kirche in Deutschland zur Unterstützung der evangelischen Ausgewanderten in „Rath und Tath“ von 1862 und die „Ausschreibung einer Kirchen-Collekte“ für das Prediger-Seminar in Marthasville von 1865.
Die ersten zehn Exemplare des Buches bekam Conference Minister David Moyer überreicht, der zusammen mit dem Vorsitzenden der Kirchenleitung der Wisconsin Conference der UCC, Dr. Steven Hirby, in Reichenbach die letzte Station seines Deutschlandbesuches erlebte. Weitere Exemplare erhielt Generalsuperintendent Martin Herche, der im Sprengel Görlitz die Verbindungen zur Wisconsin Conference und zur Penn Central Conference der UCC weiterführen wird. Die Görlitzer Kirche pflegt mit der UCC-Wisconsin-Conference bereits seit 30 Jahren eine Kirchengemeinschaft.
Die missionarische Laufbahn Nollaus hatte 1837 mit dem Aufbruch des 27-Jährigen nach Amerika als „Indianer-Missionar“ begonnen. Das ursprüngliche Vorhaben kam aber nicht zustande, Nollau kümmerte sich mehr und mehr um die Not seiner deutschen Auswanderer-Landsleute. 1840 gründete er in seinem Pfarrhaus in Gravois Settlement bei St. Louis den „Deutschen Evangelischen Kirchenverein des Westens“. Dieser entwickelte sich später zu einer Kirche und einem der vier Vorläufer der 1957 entstandenen United Church of Christ (UCC). Nollau (1810-1869) hat sich in seiner neuen Heimat besonders auch durch sein sozial-diakonisches Wirken verdient gemacht, er gründete ein Diakonissenhaus, eine „Waisenheimath“, ein Krankenhaus.
Eduard Ludwig Nollau - Mission und Migration im 19. Jahrhundert. Eine Spurensuche. Hgg. von Thomas Koppehl u.a. im Auftrag des Vereins für schlesische Kirchengeschichte. Reihe „Studien zur schlesischen und Oberlausitzer Kirchengeschichte“, Bd. 11. ISBN 978-3-9807955-5-5, 12 Euro, erhältlich u.a. im Ev. Pfarramt Reichenbach, Kirchplatz 2, 02894 Reichenbach, Telefon (035828) 72494.
Siehe auch: Jubiläum: Ludwig Eduard Nollau. "Heimat deutscher Habenichtse"
