Fundstück: Melaune
Abschrift: Oberlausitzer Gemeinde-ABC. (Artikelreihe in "Die Kirche", 1950 bis 1952)
Melaune. 8 km nordwestlich von Reichenbach O/L, der Rundling am Schwarzen Schöps, ist in Hufeisenform angelegt und wendischen Ursprungs. Funde im benachbarten Döbschütz, die in die Jahre 3000 v. Christi zurückführen und der nahe Burgberg beweisen, daß wir hier ganz alten Kulturboden vor uns haben. Sehr frühzeitig kommt der Name des Ortes in der Geschichte vor. In den ältesten Urkunden heißt er Mer, Merove villa, 1239 Merav, 1318 Merove, 1537 Melaw. Der Böhmenkönig Wladislav soll im Jahre 1174 hierher geflüchtet sein. Königin Kunigunde von Böhmen übereignete im Jahre 1239 Melaune (Meraw) an das nicht lange vorher gestiftete Kloster Marienthal. Der Name selbst bedeutet soviel wie „Hier ist Friede“ oder „Friedensort“.
Doch hatte das Dorf unter manchen Kriegsnöten zu leiden. Der Siebenjährige Krieg brachte mancherlei Drangsal und Nöte. So zogen allein im Jahre 1760 Preußen und Österreicher zusammen sechs Mal durch diese Gegend, wobei jedes Mal Getreide, Stroh, Heu, Geld und Vieh mitgenommen wurden. Auch 1866, während des Feldzuges gegen Österreich, rückte die Kriegsgefahr sehr nahe. Die Einwohner versteckten ihre Habseligkeiten in Kellern und Gruben und atmeten erst auf, als die Gefahr noch einmal an ihnen vorüberging. Im Krieg mit Napoleon I. hatte Melaune, da es an der großen Heeresstraße Görlitz- Schöps, Weißenberg- Bautzen liegt, sehr viel an Naturalien, Geld und Gespanndiensten aufzubringen. Ernste Gefechte gab es auch in dieser Gegend in den Befreiungskriegen. Die Bewohner von Melaune flüchteten daher in die Krobnitzer und Hilbersdorfer Wälder. Auch der letzte Krieg ist an Melaune nicht spurlos vorübergegangen. In den letzten Kriegstagen wurden 3 Häuser durch Bombenabwurf völlig zerstört, die aber bereits wieder aufgebaut sind.
Zur Kirchengemeinde gehört noch Prachenau und Döbschütz. Prachenau – 1239 hieß es Prochnaw oder auch Prochnow – ist ein Dorf mit rein landwirtschaftlichem Gepräge und liegt auf der fruchtbaren Hochfläche westlich des Schwarzen Schöps. Auch der Name des nahegelegenen Döbschütz hat im Laufe der Jahrhunderte eine Wandlung erfahren. So hieß der Ort 1280 Dobswitz, 1334 Dobitzwitz, Dobitschwitz, 1346 Dobeschicz, im 15. Jahrhundert schon Dobschiz, im 16. Jahrhundert schon Döbschitz, 1753 Debschiz. Das Döbschützer Schloß ist von einer doppelten Wasserumwallung geschützt. Die Sage weiß von zwei unterirdischen Gängen nach dem Burgberg und dem Krobnitzer Friedenstal zu erzählen.
Die Kirchgemeinde Melaune zählt 1006 Seelen.
Über die Erbauung der Kirche zu Melaune läßt sich nichts Genaues feststellen.
An der Stelle, an welcher jetzt die Kirche steht, soll früher eine Kapelle gestanden haben, die vom Erzpriester in Reichenbach O/L und seinen Kaplänen gottesdienstlich versehen wurde. Zu ihr führte der Pfaffensteg von Reichenbach über Krobnitz nach Melaune, der jetzt zum Teil eingeackert ist.
Da die Kirche zu Melaune in der Bistumsmatrikel vom Jahre 1346 nicht erwähnt ist, kann sie erst nach diesem Jahre erbaut sein. Sie ist von Bruchsteinen aufgeführt. Das Kirchendach und der Turm waren ursprünglich mit Schindeln gedeckt. In der Nacht vom 5. zum 6. August 1760 geriet der Turm und ein Teil der Kirche in Brand. Noch heute sieht man am unteren inneren Teil des Turmes, der 1765 wiederhergestellt wurde, angekohlte Holzstummel im Mauerwerk.
Wegen Baufälligkeit der Kirche wurde 1837 eine größere Reparatur notwendig. 1845 wurde der Neubau durchgeführt und am 27.Oktober vollendet. Die Kirche erhielt dabei ihr jetziges Aussehen.
Zum 50jährigen Bestehen im Oktober 1896 wurde das Innere der Kirche vollständig erneuert. Auf dem Altar befanden sich drei 105 cm große wertvolle Holzfiguren (in der Mitte: Maria mit dem Christuskind auf dem Arm, rechts: neben ihr Magdalena, links Barbara), die leider entfernt und verkauft wurden. In der Nähe des Altars war ein etwa 60 cm hohes Vesperbild von höchster Qualität, das etwa aus dem Jahre 1420 stammte und die sitzende Maria mit dem Leichnam des Christus auf dem Schoß darstellte. Auch dieses Vesperbild wurde leider verkauft. Seit 1897 war es im Besitz der Stadt Görlitz. Vom Jahre 1902 ab wurde es im Kaiser-Friedrich-Museum aufbewahrt und ist seit 1945 verschollen. Hinter dem Altar befindet sich ein Grabstein für Carl Gottlob von Nostitz, gestorben 1698, mit dem dazugehörigen Epitaph; ein schönes Werk aus der Zeit kurz vor 1700.
1741 erhielt die Kirche ihre erste Orgel. 1848 wurde eine neue gebaut, da die alte nicht mehr gebrauchsfähig war. Diese Orgel, die noch verhältnismäßig gut erhalten ist, aber doch mancherlei Schäden aufweist, soll in nächster Zeit eine durchgreifende Reparatur erfahren, wofür die Gemeinde bereits ein recht schönes Opfer gebracht hat.
Die älteste Glocke soll aus dem Jahre 1155, der Zeit Kaiser Friedrich Barbarossas, stammen, als hier also nur eine Kapelle stand. Die Kirche selbst hatte 2 Glocken, von denen eine im 15. Jahrhundert gegossen sein soll, während die zweite größere aus dem Jahre 1555 stammte. Sie mußte 1833 umgegossen werden. In den neunziger Jahren bekam die große Glocke wieder einen Sprung, sodaß ein neues Geläut notwendig wurde. 1897 erhielt die Kirche ein neues Geläut von 3 Bronzeglocken, von denen zwei im Juni 1917 abgeliefert werden mußten. Nach dem ersten Weltkrieg wurden drei Stahlklanglocken beschafft und am 6. März 1921 zum Gedächtnis der 42 im ersten Weltkrieg gefallenen Kirchengemeindeglieder geweiht. Im letzten Krieg wurden durch Panzerbeschuß der Kirchturm schwer beschädigt, ebenso 2 Glocken, von denen die kleinste einen Sprung erhalten hat. Die Schäden am Kirchturm sind bis auf die Schieferbedeckung behoben. Nach Erbauung der Kirche 1845 hat der Bauer Gottfried Kahlert der Gemeinde eine Turmuhr geschenkt, die am Uhrengehäuse folgende Inschrift trägt: „Die letzte Stunde des Lebens mein / wird eine unter diesen sein“. Fast hundert Jahre lang hat diese Uhr ihren Dienst getan. Die Beschädigung durch Kriegseinwirkung ist so groß, daß sie nicht mehr in Gang gebracht werden kann.
Seit Einführung der Reformation im Jahre 1559 haben 24 evangelische Geistliche in Melaune amtiert. Als 25. Pastor betreut seit 1. Mai 1944 Pfarrer Herbert Tilgner die Gemeinde.
Das älteste Kirchenbuch reicht bis ins Jahr 1611 zurück.
Der Kirchengemeinde stehen noch große Aufgaben bevor. Neben der großen Orgelreparatur sind noch wichtige Arbeiten am Turm notwendig. Ebenso muß auch das Innere der Kirche einer gründlichen Renovation unterzogen werden.
H.T. ( Pf Tilgner)
