Fundstück: Kroppen
Abschrift: Oberlausitzer Gemeinde-ABC. (Artikelreihe in "Die Kirche", 1950 bis 1952)
Wer von Cottbus aus nach Dresden mit der Bahn fährt, sieht hinter Ruhland dicht vor Ortrand auf der linken Seite ein Dorf mit einer stattlichen Landkirche liegen, ringsherum Felder, eingerahmt von Kiefernwaldungen: das ist Kroppen, das Pfarrdorf, das schon 1472 in einem Lehnbrief erwähnt ist. Kroppen selbst ist mit dem eingemeindeten Heinersdorf ein durchaus moderner Ort mit neuen massiven Wirtschaften. Nur noch wenige Fachwerkbauten erinnern daran, daß es früher hier anders aussah, aber der Fleiß der Einwohner schaffte sich bessere und gesündere Wohnhäuser. So ist es auch in den eingepfarrten Dörfern Frauendorf und Burkersdorf. Von den Vätern her sind die kleinen Bauernhöfe übernommen worden und werden weitergeführt mit ihren 12 bis 40 Morgen Acker, der oft recht geringe Güte hat, Pferde sind selten, Kühe ziehen Pflug und Wagen. Die kleinen Wirtschaften werden von den Frauen geführt, die Männer gehen auf Arbeit in die Industriewerke der Umgebung wie Synthesewerk Schwarzheide, Bubiag und Combinat Friedländer in Lauchhammer und die Ortrander Fabriken. Die Orte sind von der Reformation her rein evangelisch, doch die Bevölkerungsverschiebung nach dem 2. Weltkrieg brachte ein Einfließen von Ostpreußen, Schlesiern und Sudetendeutschen, darunter einige katholische Familien. Und gerade diese zugewanderten Glaubensbrüder sind ein Segen geworden für die Gemeinde mit ihrer bewußt kirchlichen Haltung; sie geben den Einheimischen weiterhin ein gutes Beispiel, machen sie doch den Großteil derer aus, die allsonntäglich den Weg zum Gotteshaus finden.
Das Gotteshaus selbst ist das dritte am Ort. Bis kurz vor dem dreißigjährigen Kriege stand ein Holzkirchlein auf dem heutigen Kirchhof. „Das andere ward zur Zeit des Herrn Collator Jobst von Loß und des Pastors Christoph Fasolt von Meister Martin Fuchs, Zimmermann aus Ortrand, im Jahre 1613 erbaut. Es bestand aus Zimmerung aus Ziegel- oder Wellerwand, war aber mit Ziegeln gedeckt und hatte einen Turm und zuletzt 3 Glocken“, so berichtet die Kroppener Chronik. Aber diese Kirche erwies sich als zu klein, und zwei Inschriften im jetzigen Gotteshaus bezeugen: Anno 1717 im Monat May ist der Anfang zur Erbauung dieser Kirche gemacht. Die Maurerarbeit hat gemacht Balthasar Romberger aus Radeburg. Anno 1721 im Monat Oktober wurde dieser Bau fertig. Das Holzwerk und Zimmerarbeiten fertigte Johann Adam, Zimmermeister aus Radeburg. Gott sei Lob und Ehr gesungen. Das Innere der Kirche wurde restauriert und gemalt 1863 von Wilhelm Grube aus Liebenwerda. Mit Gottes Hilfe war auch dieses Werk gelungen“. Leider war diese Restaurierung nur ein „Weissen“, wie man eine Stube hier am Orte herrichtet, denn dem gewaltigen Tüncherpinsel mit Grau und Weiß fielen die frischen Farben der alten Bemalung in Englischrot, Grün und die kunstvolle Marmorierung zum Opfer: auch der kunstvoll geschnitzte Taufstein bekam einen Überzug in weißer Farbe. Bis auf diese Zeit bietet nun das Innere einen recht nüchternen Anblick. Aber in den letzten Jahren wurden regelmäßig Verbesserungen an der Kirche vorgenommen: 1949 wurden das Dach erneuert, 1950 wurden Decke und Wände verputzt und elektronisches Licht in die Kirche gelegt, 1951 zwei Schornsteine für die Heizung errichtet und kleinere Veränderungen vorgenommen, sodaß nach Verbesserung des Gestühls im Sommer 1952 mit einer stilgerechten Ausmalung begonnen werden kann. Der Turm hatte ein besonderes Geschick: Als im Hof einer benachbarten Wirtschaft am 19. August 1919 gedroschen wurde unter Antrieb einer Lokomobile, flog ein Funken in die Dohlennester im obersten Durchblick des Turmes, und in wenigen Minuten war der Turm eine weithin leuchtende Fackel, ein schauriges Erlebnis, das in der Gemeinde nicht so schnell vergessen wird. Dabei zerschmolzen die Glocken, die Orgel wurde durch das Löschwasser stark beschädigt. Die Inflation begann in dieser Zeit, und der Aufbau war infolgedessen für die Gemeinde aus eigenen Kräften unmöglich, sodaß der Besitzer des Rittergutes Kroppen, Kommerzienrat Otto Hoesch, als Patron die Hauptlast der Kosten übernahm und 1920 der Turm neu erstand. Von seiner Höhe hat man einen weiten Blick nach Osten bis zu dem Schloten des Lautawerkes, im Norden zu den Gruben des Senftenberger Reviers, im Süden blauen die Bautzener, Löbauer und Kamenzer Berge herüber. Die neuen Stahlglocken des Bochumer Vereins wurden mit dem Neubau des Turmes aufgehängt. Die größte trägt die Inschrift: „Aus des Krieges großer Not führ zum Frieden uns, o Gott“, die Mittlere „Aus der Erde Kampf und Streit ruf uns einst zur Ewigkeit“, die kleine „Gestiftet vom Patronatsherrn Kommerzienrat Otto Hoesch“. Die Kirche hat in den letzten Zuckungen des Krieges nur am Turm Schaden erlitten, der 1946 behoben werden konnte.
Das Pfarrhaus steht in seiner jetzigen Gestalt seit 1836, über seine Entstehung berichtet die Chronik: „Am 10. Oktober 1835, am Montag des Frauendorfes Kirchweihfestes, als P. Hähnisch, um den Kirchweihgottesdienst zu halten, mit seinem Wagen eben hinter der Kirche war, brach der Pfarre gegenüber, in Hüfner Särings Hause Feuer aus, und die Pfarre (mit Stroh gedeckt) und sämtliche Wirtschaftsgebäude brannten nieder. Sie wurd 1836 wieder aufgebaut. Das ganze Pfarrgehöft ward aus der Reihe der Bauerhäuser an seine jetzige Stelle gerückt.“
Die Pfarrer von Kroppen sind seit 1583, mit Christoph Fasold beginnend, urkundlich feststellbar. Da die Oberlausitz damals zum Kurfürstentum Sachsen gehörte, stammten die Pfarrer zumeist aus Sachsen, hatten in Wittenberg oder Leipzig studiert, und die Gemeinde trug rein lutherischen Charakter. Sie waren keine großen Gelehrten, aber hatten doch ihre Verdienste um die Gemeinde, wie Andreas Kluge (1684-1731), der in Zusammenarbeit mit dem damaligen Patron, Reichsgraf Georg von Werthern, den Grundstein zur heutigen Kirche legte und dessen Chronik der Gemeinde noch heute vorliegt, ferner Johann Friedrich Scheidenmantel (1842-1879), der die zweite Chronik und das Register zu den Kirchenbüchern mit großer Liebe anlegte und die Renovation der Kirche durchgeführte. Unter Gerhard Golling (1901-1919) wurde der alte Kirchhof wegen zu hohen Grundwasserstandes polizeilich geschlossen: die politischen Gemeinden des Kirchspiels hatten sich ihre eigenen Friedhöfe angelegt. 1909 verlor die Gemeinde die Kapelle zu Frauendorf, das ihr von der Frauendorfer Gutsherrschaft für die Gottesdienste zur Verfügung gestellt war. In der Nacht vom 25. zum 26. Dezember wurde sie durch Brandstiftung vernichtet. An ihrer Stelle steht heute ein massiver Glockenturm, der aber Eigentum der Bodenreform wurde. Am 1.September 1938 wurde Pfarrvikar Horst Manno aus Muskau zum Pfarrer von Kroppen berufen.
Heute umfaßt die Gemeinde mit ihren Landwirts- und Arbeiterfamilien etwa 2600 Seelen, und es ist der Auftrag, allen das Wort Gottes bei jeder Gelegenheit, zu jeder Zeit und an jedem zu Ort sagen. Die „Kroppner Kirchfahrt“ von den Außendörfern hat leider fast aufgehört. In den Dörfern ist der Sonntag weithin zum „Schuttabladeplatz der Woche“ geworden, wo alles, was in der Woche liegenbleibt, erledigt wird, die Sonntagsheiligung ist einer verkrampften Schufterei gewichen, die Kirchwege sind Sonntags leer. Aber wir sind dem Menschen das Wort Gottes schuldig. Darum ist in den Wintermonaten auch in den Außendörfern wöchentlich eine Bibelstunde oder Passionsandacht und monatlich ein Gottesdienst und Kindergottesdienst, also Gelegenheit, das Gotteswort zu hören. Für den Gemeindedienst wurde 1947 in der Pfarre ein Gemeinderaum ausgebaut, in dem sich die Junge Gemeinde und die Besucher der Bibelstunde versammeln. Besondere Sorgfalt wird auf die christliche Unterweisung der Schuljugend gelegt, deren 1. bis 4.Schuljahr je eine Wochenstunde, das 5. bis 8.Schuljahr zwei Wochenstunden Unterricht erhalten und diesen Dienst der Kirche besonders in Kroppen und Frauendorf durch vollzähliges Erscheinen danken. Der Dienst an ihren Kranken und Hilfsbedürftigen wird von der Gemeinde aus eigenen Mitteln durch eine Diakonisse der Oberlausitzer Synodaldiakonie getan. So will die Kroppener Gemeinde an ihren Gliedern Dienst tun im Wort und in der Liebe allein zu Ehre Christi, ihres Herrn.
