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Kinder: Wo Theo spannende Geschichten erzählt

Die Sozialarbeiterin Anette Fünfstück berät ein Jahr lang die Kirchengemeinden zu neuen Ideen in der Arbeit mit Kindern. Außerdem wirbt sie für ein größeres Miteinander von benachbarten Gemeinden.

Kinder: Wo Theo spannende Geschichten erzählt

Anette Fünfstück steht mit der Geschichtenerzähl-Figur Theo vor dem Baum der guten Nachrichten. Die Sozialarbeiterin will die Kirchengemeinden der Region zu einem größeren Miteinander in der Kinder- und Jugendarbeit ermutigen.

Von Gabriel Wandt

Wenn Theo auftaucht, wird es spannend. Der knuffige Zeitgenosse mit den Wuschelhaaren hat jede Menge Geschichten zu erzählen. Geschichten von damals, als Jesus lebte. Und Geschichten von heute, denn beides hängt miteinander zusammen. Das verstehen die Kinder schnell, egal aus welchen Orten sie kommen.

Dass vielleicht bald noch mehr Kinder im Kirchenkreis NOL Theo oder einen ähnlichen Geschichtenerzähler kennen lernen, dafür wirbt Anette Fünfstück. Sie ist seit Anfang Oktober für ein neues Projekt zuständig, das sich mit Inhalten und Strukturen der Arbeit mit Kindern im Kirchenkreis beschäftigt. Die 47-Jährige Diplomsozialarbeiterin besucht dafür die Kirchengemeinden des Kirchenkreises, schaut sich die Angebote für Kinder in kommunaler und Kirchengemeinde an und will – gemeinsam mit den Menschen vor Ort – neue Impulse setzen und bedenken.

Das hat seinen Grund. Für immer mehr Gemeinden wird es schwieriger, gewohnte Strukturen wie Christenlehre und Konfirmandenunterricht aufrecht zu erhalten. Gerade in kleinen Gemeinden sind immer weniger Kinder da. Hier sind neue Ideen gefragt. Solche wie die von „Theo und seinem Team“.

Theo ist in Waldhufen/Nieder Seifersdorf zuhause. In die dortige Grundschule gehen die Kinder aus den umliegenden Orten, und in einem Ganztagsangebot lernen sie jetzt auch Theo kennen. Er will die Geschichten aus der Bibel erlebbar und anfassbar machen. So erzählt er zum Beispiel von Handwerkern und ihren Berufen, die in der Bibel vorkommen, die es aber auch heute noch gibt.

Christenlehre gibt es in Waldhufen jetzt nur noch für die Erstklässler. Die Jungen und Mädchen der 2. bis 4. Klasse haben im Ganztagsangebot die Möglichkeit, Theo zu erleben. Das hat den Vorteil, dass die Kinder der unterschiedlichsten Orte gemeinsam etwas über christliche Werte und den Glauben erfahren und trotzdem Mitarbeiter-Kräfte anderweitig eingesetzt werden können, die in den kleinen Kirchengemeinden rar sind.

Solche und ähnliche Modelle kann sich Anette Fünfstück auch für andere Kirchengemeinden vorstellen. Sie betont, dass es dabei nicht um das Überstülpen von fremden Ideen geht, sondern um das gemeinsame Entwickeln von Konzepten, wie Kinder mit Kirche und Christsein vertraut gemacht werden können trotz kleiner werdenden Gemeinden und weniger Mitarbeitern. „Jede Gemeinde muss ihr eigenes Konzept finden“, sagt die Sozialarbeiterin. „Ich kann nur das unterstützen, was die Gemeinde will.“  Sie will ermutigen und Erfahrungen weitergeben, die andere Gemeinden bereits gemacht haben und die hilfreich sein können. Gleichzeitig will sie auch schauen, wo es angebracht ist, dass Kirchgemeinden in ihren Angeboten stärker voneinander profitieren. Der Blick über die eigene Kirchturmspitze hinaus in den Nachbarort kann Gemeindeleben vielfältiger gestalten, meint Anette Fünfstück. Es müsse nicht in jedem Gemeinderaum die gleichen wöchentlichen Angebote geben. Vielmehr könnten Gemeinden je nach ihrer Ausrichtung Schwerpunkte setzen, und die Nachbarn könnten dazu kommen. So, wie die Grundschulkinder in Nieder Seifersdorf Theo und sein Team erleben, die Jugendlichen aus dieser Region aber nach Melaune fahren, weil es dort eine Jugendscheune gibt. So könnten auch die kirchlichen Mitarbeiter eine größere Sicherheit erhalten, wie sich ihre Arbeit in Zukunft entwickeln kann.

Die eigene Gemeinde wird dabei trotzdem das Zentrum bleiben müssen, ist Anette Fünfstück überzeugt. Ein Jahr lang ist sie nun in 44 Kirchengemeinden unterwegs, will Ideen vorstellen, Fragen stellen, Vorschläge diskutieren.

In Nieder Seifersdorf hat die Gemeinde begonnen, die reale Nachbarschaft von Kirche und Schule zu nutzen. Theo hilft dabei, auch wenn er eher Wissen und soziale Werte vermittelt und weniger zum Glauben erzieht. Dafür gibt es in der Kirchengemeinde einen monatlichen Kindernachmittag, den Eltern ehrenamtlich gestalten. In der Schule taucht neuerdings übrigens nicht nur Theo auf. Dort steht jetzt auch ein „Baum der guten Nachrichten“. An ihm wachsen lauter Blätter mit vielen spannenden Informationen. Wer gerade getauft wurde, steht da, oder wann etwas Besonderes los ist ist in den Kirchengemeinden des Schuleinzugsgebietes. So wagt sich vielleicht wieder einmal ein „Fremder“  in die Gemeinde zu kommen – wie Theo, du und ich.

Foto: G. Wandt

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