Kinder: Werkstatt-Tagung gibt Impulse für spannende Kita-Tage
Wie Kita-Mitarbeiter auf einem Markt der Möglichkeiten ins Gespräch kommen und sich hilfreiche Tipps geben.
Von Gabriel Wandt
Wenn Eltern für Eltern Theater spielen, muss schon etwas Besonderes anliegen. Dass dieses Besondere auch der ganz normale Alltag sein kann, haben jetzt evangelische Kindertageseinrichtungen in den Landkreisen Bautzen und Görlitz gezeigt. Etwa 60 Mitarbeiter von 24 Kitas haben sich am 11. September einen Tag lang getroffen und sich darüber ausgetauscht, wie ein größeres Miteinander von Kita und Eltern möglich ist. Weil das gemeinsame Ideenfinden meist leichter ist, hat Gudrun Rönsch, Kita-Fachberaterin im Evangelischen Kirchenkreisverband Schlesische Oberlausitz, die Mitarbeiter zu einer Werkstatt-Tagung eingeladen. Sie bildete den Abschluss eines Projekts, das bereits Anfang 2009 begonnen hat und die Partnerschaft zwischen Eltern und Kita zum Thema hatte.
Wenn bei dieser Partnerschaft die richtige Gesprächsebene fehlt, könne es schnell zu Spannungen kommen, erklärt Gudrun Rönsch. Die Kitas stünden oft zwischen sehr verschiedenen Erwartungshaltungen: Da seien einerseits Eltern, die selbst überlastet sind und die Betreuung an die Kita abgeben und andererseits gebe es Eltern, die für ihre Kinder eine optimale Bildung erreichen wollen und das auch von der Kita erwarten. Die Kitas wiederum stellen fest, dass längst nicht alle Mütter oder Väter zu den Elternabenden kommen, bei denen anstehende Entwicklungen oder Probleme besprochen werden sollen.
Damit Eltern neugierig werden auf das, was da in den Kindertageseinrichtungen geschieht, ist zum Beispiel die Theateridee entstanden. Hier ist ein Theaterpädagoge mit im Boot, der mit Eltern und Kita-Mitarbeitern die Themen bespricht, daraus ein Stück entwickelt und einstudiert. Bei der Aufführung erleben die Eltern dann, dass sie mit ihren Problemen nicht allein da stehen und sich untereinander und mit den Erziehern austauschen können.
Die Werkstatt-Tagung war nun Gelegenheit für die Kita-Mitarbeiter, sich über ihre Ideen auszutauschen. Die Teilnehmer haben für einen „Markt der Möglichkeiten“, der an Kirchentage erinnert, Stände und Präsentationen mitgebracht. Es sei Zeit gewesen für Gespräche unter Kollegen, die vorgestellten Beispiele seien aus der Region gekommen und dadurch wohl besonders plastisch gewesen, freut sich Gudrun Rönsch. Bei der Auswertung am Tagesende hätten alle Teilnehmer ein „Sehr gut“ angegeben, freut sich die Fachberaterin.
In der nächsten Zeit gehe es darum, die Anregungen im Alltag der Kitas umzusetzen, informiert sie weiter. Weil die Tagesabläufe aber bereits gut gefüllt sind, stehe das Nutzen von bereits vorhandenen Situationen im Vordergrund. Gespräche beim Bringen und Abholen der Kinder könnten beispielsweise genutzt werden, um neben dem Small Talk auch Grundsätzliches zu besprechen. Denn Skepsis bei den Mitarbeitern sei zu Beginn der Tagung durchaus zu spüren gewesen, sagt Gudrun Rönsch. Sie wirbt um Verständnis: Laut aktueller Studien würden mehr als 80 Prozent der Eltern mit einem Kind in der Kita bei Schwierigkeiten zuerst die Erzieherinnen um Rat fragen, informiert die Fachberaterin. Diesen Vertrauensvorschuss sollten die Kitas nutzen, findet sie. Der Mut, auch einmal etwas Neues auszuprobieren, gehöre dazu: So hat eine Kita sich spielerisch mit dem Thema „Erneuerbare Energien“ auseinander gesetzt und einen Tag ohne Strom verbracht. Die Kinder erlebten auf diese Weise, wie viele Geräte nur mit Strom funktionieren, was die Stromherstellung mit der Umwelt zu tun hat und wie die Menschheit mit der Schöpfung umgeht – ganz ohne erhobenen Zeigefinger.
Gelernt hat an diesem Tag übrigens auch Gudrun Rönsch selbst etwas: Die neue Form der Tagungen will sie auf jeden Fall wieder anwenden, sagt sie.
Foto: privat
