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Kinder: Evangelische Kindertagesstätte Nesthäkchen

Diese Kita des Diakonie-Sozialwerks Lausitz in Hoyerswerda lässt Kleinkinder und Vorschulkinder ganz dicht beieinander aufwachsen. (11.04.2006)

Hier spielen die Großen mit den Kleinen. Eine Vierjährige nimmt ein Kleinkind an die Hand, am Tisch essen die einen mit Löffelchen, die andern mit Messer und Gabel. Und wo manche schon wissen, wie man die Spülung bedient, wird daneben ein Baby gewickelt. Die auf den Töpfchen schauen zu.

In der Kita „Nesthäkchen“ gehen nämlich nicht nur Gleichaltrige in eine Gruppe, sondern „altersgemischt“ ist hier angesagt. Kinder zwischen einem und fünf Jahren verteilen sich auf die „Fuchs“- und die „Eichhörnchen“-Gruppe, um voneinander zu lernen, in größerer Rücksichtnahme aufeinander Acht zugeben, ihre Spielkameraden als Geschwister zu erfahren und mal der Kleinere, mal der Größere sein zu dürfen. Erst wenn die Schule näherrückt, gehen sie in die Gruppe „Schmetterling“, wo alle das gleiche Alter haben, so wie es in den langen nächsten Jahren zu ihrem Alltag gehören wird.

Die allerersten Kinder kommen morgens, gegen halb acht an. Dann sind sie reichlich zu zehnt, und das Erste in der Frühe ist der kleine Morgenkreis, wo alle gemeinsam den Tag beginnen und biblische Geschichten erzählt, gesungen, gespielt werden. Gerade ist Ostern Thema, wie man an allerlei Basteleien und Papierschmuck sieht. Erst später, wenn sich das Haus belebt, gibt es noch einen zweiten Kreis, in dem die Kinder gruppenweise dem Glauben näherkommen, christliche sowieso, nichtchristliche, wenn sie und ihre Eltern es möchten.

Die Gruppenleiterin Annett Uhlig erzählt vom netten Umgang der Kinder in den altersgemischten Gruppen. Wie sie im Lauf ihrer „Nesthäkchenzeit“ Freundschaften schließen, wie sie entscheiden, mit wem sie gern spielen, was ihre liebsten Plätze und Schlafstätten sind. „Die kleinen Kinder brauchen meist noch nicht so viel Kontakt zu den anderen, die spielen noch allein, lassen sich aber von den Älteren auch helfen und manches zeigen.“

Eins der größeren Kinder schiebt in dem Moment ganz allein einen Wagen, voll mit Geschirr, vorbei in Richtung Küche, holt sich da ein „fein gemacht“ ab und hüpft wieder zurück in seine Gruppe. Ein Kleineres hat dabei zugeschaut, läuft hinterher, macht dann aber doch wieder kehrt, um sich lieber ein Weilchen im Spiegel anzusehen, bevor es die nächste Episode an diesem Vormittag verfolgt – eine Rauferei, nach der es beinah Tränen gibt. „Erst wenn sie so vier oder fünf Jahre sind, suchen sie sich ihre Spielpartner“, sagt Annett Uhlig, und Streit gehöre eben auch dazu. So lernten die Kinder früh, wie man Konflikte löst.

Meistens aber fänden doch die Gleichaltrigen zueinander. „Deshalb ist es auch wichtig, dass in jeder Gruppe mindestens zwei Kinder eines Alters sind.“ Da sei es zuerst noch egal, ob Mädchen oder Junge, erst später, bei den Fünfjährigen teile sich das mehr auf. Doch auch dann lässt mal ein Mädchen laut ein Auto brummen und quietschen, oder ihr Spielgefährte gibt einer Puppe zu essen und zieht sie um. „Ganz bestätigen sich die Geschlechterklischees nicht, aber ein bisschen“, lacht die Erzieherin.

Natürlich habe die Mischung der Alter auch Nachteile, meint sie. „Die Großen haben schon einen ziemlichen Bewegungsdrang, besonders die Jungs wollen sich schon mal richtig auspowern.“ Dagegen müssten die Kleinen öfter eine Pause einlegen und brauchten noch etwas mehr Ruhe. Sie öffnet die Tür zum „Entspannungsraum“, den es aus diesem Grund für höchstens drei Kinder gibt. Mit himmelblauen Wänden, einem Mond mitten im Zimmer, zwei Bettchen mit den weichsten Kissen und genügend Kassetten oder CDs mit Märchen, Geschichten und Schlafliedern. Jetzt aber ist hier niemand, denn der Mittag naht.

Nach dem Essen zeigt Annett Uhlig in die Ecke ihres Gruppenraums auf eine besondere Errungenschaft ihrer „Eichhörnchen“ und sagt „das haben die Kinder selbst bemalt“. Ein Papphaus steht da nämlich in vielen bunten Farben, worin ein Dreijähriger sogar stehen kann. Decken und eine leichte Matte liegen drin, und eine Ehre ist es für den, der hier seinen Mittagsschlaf verbringen kann.

Ines Eifler

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