Kinder: Die Kirche im Koffer
Sozialarbeiterin Anette Fünfstück aus Arnsdorf kam auf diese Idee. 24 Kirchengemeinden im Landkreis nutzen sie jetzt.
Projektleiterin Anette Fünfstück zeigt einen Koffer mit den Utensilien für die Kinderarbeit im Kirchenkreis Niederschlesische Oberlausitz. Foto: Steffen Gerhardt
Von Steffen Gerhardt
Dieser Metallkoffer macht neugierig, auf das, was sich in seinem Inneren verbirgt. Das war nicht nur bei den Vertretern der Kirchengemeinden festzustellen, als sie die "Kofferkirche" in Empfang nahmen, sondern wird es auch bei den Kindern sein. Denn für sie wurde die Kofferkirche gepackt.
Sie hält bereit, was für einen Kindergottesdienst oder die Christenlehre so gebraucht wird: Holzkreuz, Kerze, Tücher in liturgischen Farben, das Friedenskreuz und eine Kinderbibel. Dazu gibt es ein Handbuch, das durch das Kirchenjahr führt, eine CD mit den entsprechenden Liedern dazu und einen Klangstab. Anette Fünfstück ist die Frau, die das alles zusammenpackte. Doch bevor sie das erledigen konnte, wurde von ihr eine Konzeption erarbeitet, wie die Arbeit mit Kindern im Kirchenkreis Niederschlesische Oberlausitz verbessert und aktiver gestaltet werden kann. Auftraggeber für das eineinhalb Jahre durchgeführte Projekt war der Kirchenkreis. Anette Fünfstück, führte das zusammen mit einer Arbeitsgruppe aus. "Ich wollte nicht nur ein Konzept aufschreiben, sondern es sollte auch etwas Praktisches und Nachhaltiges dabei sein", sagt die Freiberuflerin aus Vierkirchen.
Herausgekommen ist die Kofferkirche, mit der mehrere Zwecke verfolgt werden, so die Projektleiterin. "Wir geben den Kirchgemeinden etwas in die Hand, mit dem sie nicht nur im Gottesdienst arbeiten können, sondern an jedem Ort den christlichen Glauben vermitteln können." Sei es in den Familien, am Krankenbett oder in den kirchlichen Kindereinrichtungen. Besonders bei letzterem sieht Anette Fünfstück viele Möglichkeiten, mit dem Koffer zu arbeiten.
Immerhin sind im Kirchenkreis 16 Kitas in kirchlicher Trägerschaft, dazu kommen noch sechs in den Händen der Diakonie. Potenzial ist also reichlich vorhanden, um Kinder spielerisch an den christlichen Glauben heranzuführen. Im Kirchenkreis wird überlegt, so Fünfstück, solche Kofferkirchen auch in die Kitas zu geben. Ausgestattet damit sind jetzt 24 Kirchgemeinden, ihnen wurde jeweils ein Koffer am Sonnabend in der "Kreuzbergbaude" in Jauernick überreicht. "Die Erwartung war groß, ebenso die Freude, mit etwas Praktischem heimkehren zu können", beschreibt Fünfstück die Koffervergabe. Zuvor waren die Koffer zu einer Kirche aufgestapelt worden. Damit hat sich für die ausgebildete Psychiatriediakonin und heutige Sozialarbeiterin das Projekt nicht erledigt. "Es liegt zwar jetzt in der Hand der jeweiligen Kirchengemeinde, was sie aus dem Angebot macht, aber ich werde es meinerseits weiter betreuen und entsprechende Workshops über den Kirchenkreis anbieten", betont sie. Das ist die Nachhaltigkeit, die mit diesem Projekt angestrebt wird. Für ein Jahr ist Anette Fünfstück in Sachen Kofferkirche im Kirchenkreis unterwegs.
Dabei sind die 24 verteilten Koffer nicht die Obergrenze. Wo Bedarf da ist, können durchaus noch weitere Koffer gepackt werden. Denn auch wenn der Koffer abschließbar ist, wird er keine abgeschlossene Sache sein. "Er soll einladen zum Auspacken und Erzählen von biblischen und Lebensgeschichten und den Gemeinschaftssinn fördern", nennt die 48-Jährige den Sinn dieses Projektes und verrät: Wem das Friedenskreuz in dem Koffer zu klein ist, kann sich auch ein großes bei ihr ausleihen. Das hat eine Größe von 1,60 Metern und ist nicht zu übersehen.
