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Kinder: Bewegung auf der Baustelle - Die Kindertagesstätte "Apfelbäumchen"

In der Görlitzer Kindertagesstätte „Apfelbäumchen“ werden Sportbegeisterung, Fantasie und Kreativität geweckt (12.07.2006)

Hier bauen und klettern, kreischen und lachen die Kinder bis zur Erschöpfung. Eine Fünfjährige springt in den blauen Kasten, worein sie fast zur Gänze passt, ein Junge hüpft ihr hinterher, sodass sie empört wieder herausklettert. Immer hinauf geht sie die schiefe Ebene, eine wacklige Angelegenheit, bis zum nächsten Kasten, der genau wie die Turnbänke aus der Zeit vor 1990 stammt, als das Haus noch kein Kindergarten, sondern ein Internat für Lehrlinge war.

Das Mädchen läuft das filzbespannte Brett bis zum Ende der Konstruktion, die es zuvor mit anderen Kindern abenteuerlustig und geduldig aufgebaut hat. Es springt in weiche Matten, wippt kurz über ein zweites Brett auf einer ebenso filzigen Rolle, springt wieder und macht einen Purzelbaum, um vor dem Feind zu fliehen. Der Junge indes interessiert sich mehr für die Kette mit Karabinerhaken, die etwas verwaist, nach oben verknotet von der Decke hängt, denn der Schaukelsitz hat im Sommer draußen seinen Platz. Also klettert, krabbelt und rennt auch er noch einmal von vorn die Runde durch die Kinderfantasie – über Brücke und Schlossmauer, durch Tal und Festungsgraben.

„Auf unserer Bewegungsbaustelle können sich die Kinder richtig austoben“, erklärt Beatrix Bienert die Besonderheit im „Apfelbäumchen“, einer der drei Kindertagesstätten der Görlitzer Innenstadtgemeinde, die sie leitet. Anders als in der musisch orientierten Lutherkirchen-KiTa und dem „Samenkorn“ gleich bei der Wartburg gibt es hier einen speziellen Sportraum. Die Größeren, die Vorschulkinder oder wenig Jüngeren, können da in Lebensgröße kreativ sein und ihre Phantasie ausleben. Dann die variablen Bauten selbst benutzen, ihrem Bewegungsdrang folgen und beim Balancieren den Gleichgewichtssinn stärken.

„Im Garten haben wir zwar auch viel Platz, aber wenn das Wetter schlecht ist und man draußen nicht viel tun kann, gibt es drin seit ein paar Monaten die Bewegungsbaustelle als eins der Angebote für unsere Kinder“, sagt die KiTa-Leiterin, als sie durch einen Kreativ- und Bastelraum, ein „Rollenspielzimmer“ und einen Raum mit einem kindergroßen Haus im Puppenstubenstil führt. Auf die verbundenen Räume verteilt, mischten sich die Gruppen meist, sodass jedes der reichlich 40 Kinder mal hier, mal dort spielt.

Auf der Baustelle haben vier oder fünf Kinder Platz und Gelegenheit, sobald sie groß genug sind und nicht mehr so streng der Obhut ihrer Erzieherinnen bedürfen. „Natürlich ist immer jemand von uns dabei“, sagt Beatrix Bienert, „aber wer schon alleine Verantwortung übernimmt, rücksichtsvoll ist und sich an die Regeln hält, kann hier eine halbe Stunde herumtollen.“ An der Tür gibt’s vorsichtshalber ein Paar Stoppersocken an die kleinen Füße, und los geht’s.

Doch nicht nur die großen Holzteile mit ihrem rutschsicheren Filzbezug gehören zu der kindgerechten „Baustelle“ nach Ideen des Pädagogen Klaus Miedzinski. Am Boden kann man im Kleinformat schon mal ausprobieren, was man später größer konstruieren will. Und so baut das Mädchen, inzwischen Kästen und Brücken im Rücken, das nächste Bauprojekt mit hölzernen Klötzern vor.

Ines Eifler

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