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Kinder: Auf dem Land - Die Kindertagesstätte Meuselwitz

Die Evangelische KiTa im Oberlausitzischen Meuselwitz ist ein echter Landkindergarten. Gras und Himmel, Kuh und Pferd haben hier noch richtige Farben und die Gemeinde hält zusammen. (27.06.2006)

Am Rand des großen grünen Gartens schaut ein frisch geschornes Schaf übern Zaun, von ferne kräht ein Hahn oder muht eine Kuh, und wenn der Wind dreht, ist ein Schweinestall sehr nah. Die Kinder aber, davon ungerührt, backen Kuchen aus Sand, rutschen um die Wette, schaukeln, bis sie nur noch Himmel sehn, oder sie rennen über die Wiese, so schnell und weit die kleinen Füße wollen. „Ich muss mich ausziehn“, sagt erhitzt ein Kind, als der Sommer mit großer Hitze und Schwüle beginnt, „ich auch, ich auch“, rufen die andern, und bald hopsen alle kreischend und nackt um einen Wasserschlauch, der kühle Fontänen in alle Richtungen spritzt.

Die meisten der rund 40 Kinder sind diese Dinge von Zuhause gewöhnt. Sie kommen aus den Dörfern Meuselwitz, Schöps, Zoblitz und Borda, aus Goßwitz, Krobnitz und Dittmannsdorf, aus Melaune, Sohland und Mengelsdorf oder aus dem Städtchen Reichenbach. Und so ländlich wie ihre Heimat ist auch die Evangelische Kindertagesstätte Meuselwitz, in die sie täglich gerne gehen. Sehr idyllisch, in einem Dorf zwischen weiten Feldern und sanften Hügeln, zu dem hinab sich schmale Sträßchen winden, am Waldrand und doch gleich gegenüber der Kirche gelegen, ist hier heile Welt.

Nicht nur darüber, wie „unheimlich viel Platz“ hier draußen wie drinnen ist, staunten viele Eltern, erzählt KiTa-Leiterin Petra Bauz, „auch über Sachen, die wir für selbstverständlich halten“. Zwischen zwei Halbsätzen gießt sie einem Mädchen Tee ein, das unaufschiebbar durstig ist, und hilft einem Jungen, der sein Hemd nicht allein über den Kopf ziehen kann. „Wir nehmen uns viel Zeit für jedes Kind. Besonders wenn eins neu dazukommt, widmen wir ihm große Aufmerksamkeit, damit es sich schnell integriert“, erzählt sie weiter.

Das sei nur möglich, weil jede der drei Erzieherinnen „mit Herzblut“ ihre Arbeit macht und weil alles in Meuselwitz auf Gemeinsamkeit und Miteinander ziele. „Für uns ist es selbstverständlich, dass wir Besorgungen für die KiTa gleich mit auf dem Heimweg erledigen, ein Kind mal irgendwohin bringen oder es abholen, wenn die Eltern es nicht schaffen, und dass wir Büroarbeit mit nach Hause nehmen“, sagt Petra Bauz. Eine Mitarbeiterin übe gerade mit Eltern und anderen Erwachsenen ein Märchenspiel für das nahende Sommerfest ein, „das macht sie natürlich nach Feierabend, da trennt man nicht zwischen Dienst und privat.“

Wie auf dem Land üblich, wo sich Traktorfahrer und Bauer schon von weitem zuwinken, haben die Kinder zu ganz verschiedenen Leuten auch außerhalb von Familie und Kindergartengruppe viel Kontakt. „Wir sind ja zugleich auch Gemeindezentrum“, sagt die KiTa-Leiterin, schon wieder von einer Schar Kinder umringt, „hier ist jede Menge los“. Denn Gemeinderaum der Kirche und KiTa teilen sich ein Haus, immer wieder andere Gruppen wie Frauenhilfe, Jungschar, Flötengruppe, Posaunennachwuchs oder Kreativkurse gehen hier ein und aus. „Hier im Dorf kennt jeder jeden“, sagt Petra Bauz, „und unsere Kinder egal von wo sie kommen und wie lange sie bei uns sind, ob Christ oder Nichtchrist, gehören immer von Beginn an mit dazu.“

Beim Sommerfest am 2. Juli 2006, nach der Andacht in der Meuselwitzer Kirche um 14 Uhr, ist zugleich Tag der Offenen Tür in der Evangelischen Kindertagesstätte.

Ines Eifler

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