Diakonie: Sozialdiakonische Arbeit mit Jugendlichen in Weißwasser
Das Ziel des Korzcak-Hauses in Weißwasser ist die Integration von an den Rand geratenen Kindern und Jugendlichen. Sie sollen Hilfe zur Bewältigung ihrer Probleme und zur Entwicklung von Zukunftsperspektiven finden, denn jeder einzelne ist Geschöpf und Ebenbild Gottes. (01.07.2005)

Das Korczak-Haus in Weißwasser-Süd ist für Kinder und Jugendliche in der Plattenbausiedlung eine bekannte Adresse. Jede Woche verbringen so manche im Schülercafe ihre Freizeit oder suchen in der Jugendhilfeagentur den Kontakt zu den Sozialpädagogen. Viele kommen aus Familien, in denen Langzeitarbeitslosigkeit schon traurige Normalität geworden ist. Hier finden sie Mitarbeiter, die ihnen nicht voreingenommen begegnen sondern offen, die sie ernst nehmen und sie verstehen wollen, aber auch Grenzen setzen und auf die Einhaltung von Regeln achten.
Vor Jahren war in dem Haus eine Kindertageseinrichtung. Aber sie wurde nicht mehr gebraucht – denn etwa ein Drittel der Bevölkerung der Stadt ist weggezogen seit 1990: Die Arbeitslosigkeit in diesem Stadtteil liegt noch über den 23 bis 25 Prozent in der Region.
Im einem zweiten Jugendtreff, ein paar Straßen weiter, treffen sich überwiegend jugendliche Spätaussiedler. Heimat und seinen Platz in der Gesellschaft zu finden ist ein mühsamer Prozess. Integration braucht auch Begleitung und Beratung.
Bedeutung neben den Offenen Treffs haben Projekte: Ob Winterwanderung durchs Zittauer Gebirge, Dreitagestour mit Kanus, zehntägige Begegnung mit polnischen Jugendlichen, Volleyball- und Fußballturniere oder die gemeinsame Renovierung des Jugendtreffs – neue Erfahrungen mit sich und anderen zu machen, eigene Fähigkeiten zu entdecken und tragende Gemeinschaft zu erleben, ist von nachhaltiger Wirkung.
Der Beginn der sozialdiakonischen Arbeit mit Jugendlichen in Weißwasser liegt in der Zeit vor der Wende. Damals, 1987, war das für Kirche ein heißes Eisen, denn in die Gesellschaft hinein gerichtete Projekte der Jugendarbeit wurden vom Staat beargwöhnt und observiert. Die Gemeindekirchenrat in Weißwasser war bereits damals davon überzeugt, dass es dringend notwendig ist, sich Jugendlichen zuzuwenden, die in der Gefahr stehen, an sich selbst oder an der familiären und gesellschaftlichen Realität zu scheitern.
Ziel ist nicht in erster Linie die Mission, sondern die Integration von an den Rand geratenen Kindern und Jugendlichen. Sie sollen Hilfe zur Bewältigung ihrer Probleme und zur Entwicklung von Zukunftsperspektiven finden, denn jeder einzelne ist Geschöpf und Ebenbild Gottes.
Die Förderung von Landkreis und Stadt, die unter dem Druck der ausbleibenden wirtschaft-lichen Entwicklung steht, reicht nicht aus, um die Arbeit in den Offenen Treffs in dieser Breite zu finanzieren. Die Kirchengemeinde stellt pro Jahr 2.500 € aus dem Haushalt bereit. Aber auch in diesem Jahr werden Spenden in etwa der doppelten Höhe benötigt. Ihre Spende wäre mehr als ein Zeichen der Verbundenheit, denn sie hilft uns, diese Arbeit auch weiterhin zu leisten.
Ernst Opitz, Soz.-päd./Diakon
