Diakonie: Junge Spätaussiedler in der Niederschlesischen Oberlausitz
Rüdiger Kruner betreut junge Migranten. (23.11.2005)
Da kommt ein junges Mädchen mit seiner Familie nach Deutschland. Nicht nach Bayern, nicht ins Rheinland, sondern in den tiefsten Osten, nach Weißwasser. Hatte sich die 19-Jährige so ihre Zukunft vorgestellt, als sie zu Hause in Kasachstan noch die Schulbank drückte?
Als Kind von Eltern, die in der Sowjetunion mit einem deutschen Pass lebten, gehört sie zu einer Spätaussiedlerfamilie, die der Niederschlesischen Oberlausitzkreis aufgenommen hat. Und weil sie zwischen 16 und 27 Jahren alt ist, zählt sie zu den jungen Leuten, die Rüdiger Kruner im evangelischen Jugendmigrationsdienst Weißwasser in allen Dingen berät, begleitet, unterstützt, die zu ihrer sozialen Integration in Deutschland beitragen.
Rüdiger Kruner
Er vermittelt zwischen Migranten und Behörden, wo es nötig ist und es um Grundsicherung, Kindergeld und dergleichen geht. Besonders aber was die sprachliche und schulische Ausbildung, den beruflichen Werdegang betrifft, um die Zukunft der Spätaussiedlerkinder aus Russland, Usbekistan, der Ukraine oder anderen Nachfolgestaaten der SU kümmert sich der Sozialpädagoge seit nunmehr 13 Jahren.
Kommt eine Familie hier an, folgt er dem Hinweis des Landratsamtes oder des DRK und sucht den Kontakt. Er fährt dazu nach Reichenbach, Rothenburg, Bad Muskau und Niesky oder bleibt in Weißwasser, je nach Aufenthalt desjenigen. Hat er festgestellt, welche Voraussetzungen da sind, „was hat der Jugendliche für schulische Kenntnisse, worin ist er ausgebildet, hat er studiert oder wollte er es“, dann macht Kruner einen individuellen Plan: „Was ist möglich und was der nächste Schritt zur Eingliederung?“ Da die Sprache die wichtigste Barriere ist, steht der Kurs „Deutsch als Zweitsprache“ an vorderster Stelle, zwei Jahre lang. Dann geht es um die Anerkennung vorhandener Abschlüsse, und Bewerbungen werden geschrieben.
Um die jungen Migranten auch kulturell in ihrer neuen Heimat einzubinden, unternimmt Kruner Exkursionen ins Land, ins Gebirge, in sächsische Städte, fährt mit den Leuten Klettern, Paddeln oder in die Theater der Region. Vor allem animiert er die Jugendlichen, viel in Eigenregie zu tun. Einer, den er vor Jahren beraten hat, trainiert heute eine Volleyballmannschaft, andere leiten Vereine im Umkreis der Spätaussiedler.
Was so leicht klingt, geht in einigen Fällen nicht gut auf. Besonders junge Männer kommen schlecht mit ihrer Entwurzelung klar, sind den Herausforderungen in Deutschland nicht gewachsen. Nur etwa ein Drittel der Migranten hat irgendwann einen festen Arbeitsplatz, ein weiteres Drittel steckt in Maßnahmen der Arbeitsagenturen, Schulungen oder 1-Euro-Jobs, der Rest bleibt arbeitslos.
Die junge Frau aus Kasachstan aber nennt Kruner als Beispiel für gelungene Integration. Sie ist heute 22 und spricht ein besseres Deutsch als ihre Eltern. Weil sie gut war, bekam sie eine Studienförderung von der Otto-Benecke-Stiftung, schaffte es bis nach Leipzig in einen Intensivsprachkurs mit akademischem Niveau. Seit ein paar Monaten geht sie an die Zittauer Fachoberschule, die Praxis lernt sie im Reichenbacher Rathaus. Wenn sie 2007 ihr Wirtschaftsabitur macht, ist sie vielleicht in ihrer Zukunft angekommen.
Ansprechpartner:
Jugendmigrationsdienst Weißwasser
Korczak-Haus
Straße der Jugend 35
02943 Weißwasser
Tel.: 03576/205064
Fax.: 03576/213765
Ines Eifler
