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Diakonie: Frauenschutzhaus Das Domizil - Görlitz

Im Görlitzer „Domizil“ des Diakonie-Sozialwerks Lausitz finden Frauen jedes Alters mitsamt ihren Kindern Schutz, wenn sie in ihrem Lebensumfeld Gewalt erleben, davon bedroht sind und Hilfe brauchen. (16.02.2006)

Erst wenn es ganz unerträglich ist, die Last zu schwer und das Leid zu groß, dann klingelt es im Görlitzer Frauenschutzhaus oder geht das Telefon. Monate, oft Jahre der Qual und Brutalität haben die Frauen hinter sich. Körperlich und seelisch misshandelt, suchen sie Zuflucht im „Domizil“, viele nur für eine Nacht, manche für Wochen. Kurz oder lang, hier sind sie ihrem Alltag fern, um sich ihrer Lage klar zu werden und eine mögliche Veränderung ihres Lebens in Betracht zu ziehen.

Für acht Frauen mit ihren Kindern ist in separaten Zimmern mit Bad auf drei Etagen Platz, und in den neun Jahren seines Bestehens haben im „Domizil“ beinah 500 Frauen aus Görlitz, einige auch aus den Landkreisen, Schutz gesucht und gefunden. „Es ist ein Kommen und Gehen, und Kinder sind so gut wie immer mit“, sagen Silvia R. und Petra K., die hier Frauen aus den unterschiedlichsten Lebenszusammenhängen und jedem Alter aufnehmen.

Da ist der Ehemann, der seiner Frau nichts anderes zu sagen weiß, als dass sie dumm, nichtswürdig und verabscheuenswert sei, bis sie es selber glaubt. Ein anderer Herr im Haus legt seiner Lebensgefährtin zehn Euro auf den Küchentisch – eigenes Geld besitzt sie nicht –, sagt „geh, kauf für die Woche ein“, wirft ihr alsbald Verschwendungssucht vor und teilt als Strafe Schläge aus.

Es mag eine Mutter sein, die ihren Mann erst dann verlässt, als er sich nicht mehr nur an ihr, sondern auch an den gemeinsamen Kindern vergreift. „Ich allein kann es aushalten, aber nicht die Kleinen!“, ist für viele Frauen der viel zu späte Auslöser, fremde Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Noch immer tabuisiert, aber gar nicht so selten, ist die Misshandlung alter Frauen durch ihre erwachsenen Kinder. Über 80 war die Älteste im „Domizil“, an die sich Petra K. erinnert. Wenn eine Mutter etwa ein Leben lang den Missbrauch ihrer Kinder durch den eigenen Vater geduldet hat, passiert es, dass sie im hohen Alter die Gewalt als eine Form der Rache zurück erfährt. Dass ihre Familie sie entmündigt und sich ihrer Rente bedient, kommt oftmals hinzu, und Fälle gibt es, in denen Mann und Sohn die Frau bedrängen.

Hinter dem Auszug der Frauen im Affekt steht fast immer ein ganzer Problemkomplex, der ökonomische Zwänge und Abhängigkeiten, Arbeitslosigkeit und Alkoholismus, Schulden, Frust, Überforderung und vor allem sehr schwierige Familienverhältnisse umfasst. Die Gewalt betrifft häufig nicht nur eine Generation, sondern hat in der Kindheit begonnen und setzt sich fort.

„Für viele dieser Frauen gehören Schläge und Tritte, verbale Attacken, Unterdrückung und Abhängigkeit jeder Form zur Normalität, sie geraten immer wieder in die gleichen Muster und erfahren Terror als gewohnt und selbstverständlich.“ Deshalb sei es ein langwieriger Prozess, den Frauen zu helfen, sagt Silvia R., aber das „Domizil“ kann am Beginn einer Lösung stehen und die Tür zu einem selbst bestimmten, unbeschwerteren Leben öffnen.

Haben die Betroffenen einmal den Schritt nach außen gewagt, kann es sein, sie befreien sich aus ihrer Not und folgen den Ratschlägen und Hilfestellungen, die sie im Frauenschutzhaus bekommen. Nie würde man ihnen hier sagen, „das ist falsch, und das machst du so!“. Vielmehr leisten Silvia R. und Petra K. Krisenintervention, geben den Frauen Gelegenheit zur Ruhe und vermitteln an Institutionen und Ämter weiter, die besser helfen können. Sie ebnen den Weg. Manche gehen ihn, viele kehren aber auch um.

Das „Domizil“ hat sich für die „offene Form“ eines Frauenschutzhauses entschieden. Zwar hält man sich bedeckt mit Namen, Gesichtern und Adresse, doch das Haus ist nicht so geheim wie andere, wo nicht einmal die Polizei den Ort kennt. „Erstens stellt es für die Frauen selbst eine Barriere dar, wenn sie uns erst suchen müssen, zweitens findet ein aggressiver Ehemann das Haus sowieso, und drittens sollen die Frauen ja lernen, offen mit ihrer Angst umzugehen“, sagt Petra K. „Irgendwann müssen wir sie ohnehin aus unserer Obhut entlassen, und zwar ohne dass sie in ihr belastetes Leben zurück fliehen.“

Ines Eifler

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