Vorstellung: Hans-Michael Hanert. "Der neue Pfarrer ist immer da, wo Geschichten passieren"
Hans-Michael Hanert ist seit dem 1. März zuständig für die Innenstadtgemeinde und die Stiftung Diakonie Görlitz.
Von Bettina Ernst-Bertram
Als zweiter Görlitzer Innenstadtpfarrer verantwortet der 54-jährige Hans-Michael Hanert die Seelsorgebezirke Luther- und Frauenkirche und ist mit 25 Prozent Dienstanteil für diakonische Einrichtungen zuständig. Ganz offiziell wird er am 18. April um 14.30 Uhr in der Lutherkirche durch den Superintendenten Dr. Thomas Koppehl in den Dienst eingeführt.
Oberseminar Naumburg und Sprachenkonvikt Berlin
Der 1955 in Leipzig geborene Pfarrerssohn studierte nach dem Besuch des Kirchlichen Proseminars in Naumburg am dortigen Oberseminar und am Sprachenkonvikt in Berlin Theologie. Er war nach seinem Vikariat sieben Jahre lang Pfarrer in Sömmerda und seit 1990 Pfarrer in Frankfurt/Oder-Booßen. Hanert hat zwei Söhne im Alter von 25 bzw. 22 Jahren, die Maschinenbau und Sozialpädagogik studieren.
Kinder auf der Jochmannstraße winken ihm zu, denn sie haben den langen Mann mit dem weißen Bart schon im Kinderhaus Bethanien kennengelernt. Und im Fränkelsaal, dem Gemeindehaus in der Jakobstraße, wo er beim Gottesdienst in die Gitarrensaiten griff. Bei seinen Kita-Bibel-Stunden hat Hanert auch schon polnische Kinder getroffen. Als 1976 nach der Biermann-Ausbürgerung die Stimmung in Berlin und in der DDR schlecht war und viele seiner Freunde frustriert über Da-Bleiben oder Gehen in Richtung Westen nachdachten, ist Hanert diametral nach Osten aufgebrochen und hat 1977 ein halbes Jahr in Warschau an dem evangelischen Kinderkrankenhaus mit gebaut. Aus dieser Zeit hat er gute polnische Freunde. Jurek fällt ihm ein, den will er bitten, ihm ein paar polnische Kinderlieder aufzuschreiben, die er dann mit den bilingualen Kleinen in der nächsten Reli-Stunde singen will.
In seiner Wohnung in der Jochmannstraße sind noch nicht alle Umzugskisten ausgepackt, aber in den bis zu vier Meter hohen Regalreihen, die die Jugendlichen vom Lebenshof in Ludwigsdorf ihm gebaut haben, stehen bereits unzählige Ordner und Bücher über die europäische Geschichte, über Polen, Preußen oder auch über ökologisches Bauen.
Studentengemeinde und ökumenisches Zentrum
In Frankfurt war Hans Hanert lange Jahre für die Studentengemeinde der Viadrina-Universität zuständig. Im ökumenischen Zentrum, das er mit gegründet hat, in der Frankfurter Friedenskirche, hat er Kurse für Erwachsene gehalten, „Ich lese Koran, ich lese Bibel“ hieß einer, den er mit einer muslimischen Frau zusammen veranstaltete.
Dass er in seinem Leben eine Menge Geschichten erlebt hat, glaubt man dem zugewandten Theologen sofort. In Rumänien, Polen, Italien, im spanischen Galizien und letztens in Brandenburg war er gern mit Matte und Schlafsack unterwegs. Sein Zeigefinger auf der Landkarte entfacht Vorfreude bei ihm. Warschau, Prag und Budapest hat er zu Fuß von Nord nach Süd durchmessen. Auf diese Weise kommt Hans Hanert zu seinen vielen Geschichten, denn er ist an den Orten, wo sie passieren und hört da sehr viel.
Foto: Ernst-Bertram
