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Fundstück: Diehsa

Abschrift: Oberlausitzer Gemeinde-ABC. (Artikelreihe in "Die Kirche", 1950 bis 1952)

Diehsa

Ortsanlage und Geschichtliches.

Das lang gestreckte schmale Dorf Diehsa zieht sich in einer sanft geneigten Talsenke der östlichen Abdachung der Hohen Dubrau hin. Es ist Kirchdorf und Marktflecken, von der Bahnstation Niesky 10 km entfernt. Sein Name stammt von dem wendischen Dzeze und ist verwandt mit dem altslawischen Doza = Kübel oder Backtrog, was wohl mit seiner Lage in einer Bodenmulde zusammenhängt. In jüngster Zeit war es in Altmarkt umbenannt worden; seit Dezember 1947 heißt es auf Anordnung der Landesregierung wieder Diehsa.
Um das Jahr 1400 mag Diehsa Vasallengut der Herrschaft Friedland in Böhmen gewesen sein. Als Inhaber werden Heinze und Hand Schoff genannt. Heinze lag im Streite mit seinen Bauern, in welchen auch der Rat der Stadt Görlitz eingriff. Franz von Oppell auf Diehsa stand 1432 im Dienste der Stadt Görlitz gegen die Hussiten.
1400 sandten die Görlitzer einen Boten nach "Dese", der die Leute warnte, "alz sy der von Kothebus wolde obirvallen"(als sie der von Kottbus wollte überfallen). Um 1466 berichtet das Görlitzer Gerichtsbuch von Johannes Glockner "zur Desse", dass er gestanden, die Kirchen in Muskau und Diehsa bestohlen zu haben. "Er hat auch bekannt", heißt es, "daß er ein Kasten zur Deße in der Kirchen affgebrochen und daruß zwene vorspan (Spangen), 1 Karalinpaternester, ungehaffte (ungeheftete) perlen und sust ander leyen gerete genommen und alles einem joden (Juden) zu Cotbuß vor 1 ½ Schock groschen vorsatzt had. Um solche untad ist er am Freytage (4.Juli) mit der ketten gericht und gehangen worden". 
In einem Bauergehöft fand man 1819 römische Kupfermünzen und Brakteaten (Münzen aus Silberblech). Die römischen Münzen sind wahrscheinlich durch germanische Krieger (Silinger), die aus Rom heimkehrten, mitgebracht worden. Die Münzen tragen das Bildnis des Kaisers Antonius des Frommen und Galba. (Laus.Magazin 1823).

Kirchengemeinde und Kirche.

Von den reichlich 1000 Einwohnern der Ortschaft Diehsa gehören fast 1000 der evangelischen Kirchengemeinde an, die seit Einführung der Reformation um das Jahr 1539 evangelisch geblieben ist. Zur Muttergemeinde Diehsa gehören die Dörfer Reichendorf und Knitzdorf mit zusammen rund 250 Seelen. Die Pfarrstelle wird z.Zt. kommissarisch von Herrn Pfarrer Lucka, der seit 1932 in Groß-Radisch amtiert, verwaltet.
Etwas abseits von der Straße, etwa in der Mitte des Dorfes, am Wege nach Collm, steht die Kirche inmitten des von einer Mauer umgebenen Friedhofs. Das genaue Jahr der Erbauung ist nicht bekannt. Anfangs wird eine kleine Holzkirche an der Stelle der späteren massiven Kirche gestanden haben. In der Meißner Bistumsmatrikel ist Diehsa 1346 zum ersten Male erwähnt. Aus dem Jahre 1643 stammt die erste Nachricht über das damals ausbesserungsbedürftige Glockenhaus, das 1687 zu einem Glockenturm ausgebaut wurde. 1802-1804 erbaute die Kirchengemeinde einen Kirchturm aus Stein. Da infolgedessen das Glockenhaus nicht mehr gebraucht wurde, riß man es 1805 bis auf den steinernen Unterbau ab und setzte ein spitzes Dach auf. An der Außenseite der Kirche nicht weit vom Dach befand sich eine viereckige Steintafel mit der Inschrift: Am Tage Bartolomäi 1584.
Darunter die Buchstaben: M P C R. Dieser Stein soll von einem großen Kirchenbau herrühren, so berichtete die handschriftliche Chronik von Pastor Gustav Adolph Dehmel, der von 1830 bis 1882 in Diehsa amtierte und mit großer Sorgfalt eine Chronik von Diehsa geschrieben hat, deren jetziger Verbleib uns leider nicht bekannt ist.

Die Glocken

Die Glocken, die anfangs in einem hölzernen, von der Kirche abgesonderten Glockenstuhle hingen, kamen 1687 in den neuerbauten Kirchenturm. Die alte große Glocke vom Jahre 1401, vom Meister Pulster gegossen, hatte die Aufschrift in Mönchsschrift: maria du reine jungfrau hilff uns dein liebes Kind fröhlich anschauen (nach Schultz Altertumswerk in der Gesellschaftsbibliothek). Die Glocke wog 14 Ztr. 35 ¼ Pfund und wurde 1834 von Gruhl umgegossen und auf 15 Zentner 17 ¾ Pfund vergrößert. Unter den vielen Namen auf der neuen Glocke wurden Namen des Kollatores Heinrich Graf v. Einsiedel und des Fürsten Heinrich XXXVIII. Reuß angebracht, auf der Kehrseite Luthers Bild mit der Beischrift: "Ein feste Burg ist unser Gott" und darunter ein langer Reim mit dem Anfange: "Zur Andacht in des Tempels Räumen versammle sie der Christen Schaar". Auf der alten Glocke stand in gotischen Minuskeln: "hilff got maria bedroht alles das wir beginn das ein gut ende gewinn." Diese Glocke wurde umgegossen und bekam die Inschrift: Verbum domini manet in aeternum. 1590". Die alte kleine Glocke, welche 2 Zentner 27 Pfund wog und neben der Jahreszahl 1431 Die Inschrift hatte: "O rex glorie veni cum pace, ließ der Kirchenvater J.G.Knothe 1839 aus dem von seinem 1837 als Bürger in Leipzig verstorbenen Bruder erhaltenen Erbteile durch Gruhl umgießen. Die große und kleine Glocke wurden am 28. Juli 1917 abgenommen, sie mußten fürs Vaterland hingegeben werden. Die mittlere Glocke wurde 1921 an die Nachbargemeinde Collm verkauft, nachdem im März 1921 drei neue Stahlglocken angeschafft worden waren.

Zerstörung und Wiederaufbau

Am 19.April 1945 wurde die Kirche durch Beschuß und Feuer völlig zerstört. Der übrig gebliebene Rest der Kirche war eine Ruine, die nur noch aus dem Gemäuer des Kirchenschiffes, des Choranbaues und des Turmes bestand. Kirchen- und Turmdach sowie der gesamte Innenraum einschließlich der Fenster, Orgel, Gestühl, Kirchenbücher und Akten waren dem Brande zum Opfer gefallen; nur die heiligen Geräte wurden gerettet. Das innere Bild der Kirche glich einer Schutthalde. Die Kirche, deren Grundmauern etwa aus dem 14. Jahrhundert stammen, war in ihrem Inneren im 16. Jahrhundert mit gotischen Gewölben versehen worden. Ihr äußeres Bild zeigte gotische Fensterformen an der Südseite des Kirchenschiffes und im Choranbau, während die Nordseite des Kirchenschiffes und der Turm mit Stichbögen überwölbte Fensterstürze aufwies. So war der bauliche Zustand bis zu ihrer Zerstörung im Jahre 1945.
Bei der engen Verbundenheit der evangelischen Gemeinde mit ihrem Gotteshaus und dem echten kirchlichen Leben in Diehsa aber wurde diese Zerstörung nicht lange geduldet. Es war der Gemeinde unerträglich, die Gottesdienste im Tanzsaal abhalten zu müssen. Deshalb fasste der Gemeindekirchenrat sehr bald nach dem Zusammenbruch den Entschluß, die Kirche sofort wieder aufzubauen. In freudiger Opferbereitschaft und in nimmermüden Einsatz ging die Gemeinde an diesen Wiederaufbau, der unter der lebendigen und tatkräftigen Leitung ihres Pfarrers Lucka begann und zu gutem Ende geführt wurde.
Gottvertrauen und mutiges Bekenntnis zum Werdenden weckten die Tat, so daß sich bei diesem Kirchenneubau wieder bewahrheitete, was der sterbende Attinghausen in die gesammelten Worte faßte: "Das Alte stürzt, es ändert sich die Zeit, und neues Leben blüht aus den Ruinen".

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