Fundstück: Buchholz
Abschrift: Oberlausitzer Gemeinde-ABC. 17.12.1950. Veröffentlicht in "Die Kirche", 1951.
Kirchengemeinde Buchholz
Die Kirchengemeinde Buchholz führte bis 1937 die Ortsbezeichnung Krischa: Das Dorf ist Bahnstation; an der Kleinbahn Görlitz - Weißenberg gelegen. Seit 1.10.1947 hat Pfarrer Hans Joachim Fränkel, Oberkonsistorialrat bei der Kirchenleitung der Evangelischen Kirche von Schlesien in Görlitz, das Pfarramt inne. Ihm ist eine lange Reihe von Geistlichen in Krischa - Tetta vorangegangen, deren Namen wir in der „Prediger und Kirchengeschichte des Kirchenkreises Rothenburg 1“ aufgezeichnet finden. Aus katholischer Zeit ragte daraus besonders hervor Conradus de Dobeschiez plebanus (Beutepriester) in cryschow. Er machte sich um das Franziskanerkloster in Görlitz verdient durch Stiftung eines Altars um 1380. Nach der Reformation, die im Jahre 1545 ihren Einzug hielt, sind aus der Reihe der evangelischen Pfarrer hervorzuheben: Antonius Plunzkan, der 1594 Pfarrer in Krischa wurde und im gleichen Jahre eine Schrift in Bautzen bei Wohlrabe herausgab: „Ursachen, warum Gott den Türken verhänge, die Christenheit zu bekriegen“. Friedrich Rudolf Petschke, dessen Vater auch schon in Krischa Pfarrer war, wurde am 16.4.1732 in Krischa geboren, besuchte die Schule in Meißen und die Universität in Wittenberg. Er wurde am 4. Sonntag n. Epiph. 1756 berufen und am Sonntag Sexagesimae vor seinem Vater in sein Amt eingeführt. Neben seinen theologischen Kenntnissen besaß er auch gute medizinische. Unter seinen Großvater, Pastor Friedrich Petschko, der von 1696 bis 1726 in Krischa amtierte, wurden Kirche und Pfarre nach dem Brande im Jahre 1703 wieder aufgebaut. Auf einen Grabstein in der Kirche findet sich ein lebensgroßes Porträt von ihm. Aus dem letzten Jahrhundert ist noch Georg Moritz Broske zu nennen. , dar von 1861 bis 1902 Pfarrer von Kirscha war. Geboren am 25. August 1833 in Postwitz, besuchte er die Gymnasien in Bautzen und Zittau, ging 1856 auf die Universität Leipzig und legte 1861 das 2. theologische Examen in Breslau ab. Er war ein bedeutender Homöopath, zu dem die Leute aus weitem Umkreise kamen, um Hilfe zu erlangen. Für das wendische Gesangbuch übersetzte er in den Jahren 1861 bis 1871 35 Lieder, auch hat er an dem wendischen Wörterbuch von Pfuhl (1866) mitgearbeitet: Bei der Generalkirchenvisitation in der Diözese Rothenburg 2 (jetzt Kirchenkreis Weisswasser) im Jahre 1891 assistierte er als Wende. Er liegt am Kirchturm in Tetta begraben. An der Ostseite der Kirche befinden sich noch die Grabsteine der Pastoren Johann Wehle (1756 – 1800), Andreas Fabian (1801 – 1819) und Ernst Fürchtegott Schulze ( 1819 – 1858 ). Krischa, jetzt Buchholz, ursprünglich Krisow – Christophsdorf, ist jedenfalls erst in christlicher Zeit, frühestens im 11. Jahrhundert, gegründet worden, da Christoph ein rein christlicher Name ist.
Zur Muttergemeinde Buchholz gehört das jenseits der Bahnlinie liegende Filialdorf Tetta, das eine Zeitlang Margaretenhof hieß und wie Buchholz Kirche und Friedhof ein eigen nennt. Es ist wahrscheinlich älteren Ursprungs, wie wohl auch die Tettaer Kirche die ältere ist. Tetta (alte Schreibweise auch Tettau, 1346 in der Matrikel des Bistums Meißen Tettow genannt, 1551 schon tetta), der Ort der Teta (Tante) ist ein Ort mit rein landwirtschaftlichen Gepräge. Im Katasterflurbuch hieß der Ort Groß-Tetta mit Rothketscham und Thömlitz. Flurnamen lauten bei der Halswiese, der Rothkretscham. An den Tostfeldern, an und in der Duchenau. Napoleon soll auf seiner Flucht aus Russland am 13. Dezember 1812 in Rothkretscham die Pferde haben beschlagen lassen. Auch in Wasserkretscham ist er damals auf einen vierspännigen Postschlitten mit einem Mameluk auf der Pritsche stehend, er selbst tief in Pelze eingehüllt, gesehen wurden. Ein wenig südlich liegt das ebenfalls zur Kirchengemeinde Buchholz gehörige Dorf Maltitz, das zum ersten Male 1245 urkundlich erwähnt ist. Bis zur Reformation 1545 hatten die beiden Kirchengemeinden Krischa, also jetzt Buchholz, und Tetta jede ihren eigenen Pfarrer und Küster, von diesem Jahre ab sind sie miteinander verbunden. Damals wurde auch die noch jetzt bestehende Gottesdienstordnung festgelegt, dass nämlich in Tetta immer am 3. Sonntage und an den zweiten Feiertagen gepredigt wird und dass außer den Beerdigungen - und seit neuerer Zeit auch den Trauungen - die übrigen Amtshandlungen in Buchholz verrichtet werden. 1617 wurde Maltitz nach Krischa eingepfarrt. Im gleichen Jahre erneuerte man die Kirche in Buchholz: Auf dem mittelsten Giebel stand: Templum hook reparatum esta 1617 aedes arra pida et renova 1617. Am 22.1.1703 brannten Pfarre und Kirche sowie das nördlich der Kirche liegende Lehngut Thämlitz - jetzt Gastwirtschaft - ab. Das Feuer soll beim Flachsrösten in der Pfarre ausgebrochen sein. Kirche und Pfarre wurden alsbald wieder aufgebaut, die Pfarre südlich von der alten Baustelle, die Kirche unter Benutzung der alten Mauern, aber um die beiden Logen verbreitert. Mit welcher Liebe der Wiederaufbau unter dem opferfreudigen Patron von Warnsdorff erfolgt ist, ist bei der Kirche durch die Erneuerung im Jahre 1928, bei welcher möglichst der ursprüngliche Zustand wieder hergestellt wurde, deutlich geworden. Damals wurde während der Amtszeit von Pastor Paul Erich Wolf, der jetzt als Emeritus in Biesnitz lebt, das freundliche Dorfkirchlein mit künstlerischem Feingefühl von dem bekannten Keramiker und Kirchenmaler Walter Rhaue aus Biesnitz in lichten Farben ausgemalt. Wenige Jahre später - am 24. Oktober 1936 - durfte der Künstler dort seine Silberhochzeit zugleich mit der grünen Hochzeit seiner Tochter Isolde feiern. Pastor Wolf, ein Freund des Künstlerehepaares, umrahmte die seltene Hochzeitsfeier mit seinem kunstreichen Geigenspiel und legte seiner Traurede das Bibelwort zugrunde: Bewahret das Licht, dieweil ihr es in euch tragt. Er sprach von der Berufung des Künstlers zu seiner göttlichen Aufgabe und dankte dem Meister noch einmal für seine Verdienste um die Erhaltung und Verschönerung das nach dem Brande von 1703 im Jahre 1704 neu erbauten Gotteshauses. Die Tettaer Kirche hat alle Stürme der Zeit bis jetzt überdauert. Bis zum Jahre 1901 hatte sie keinen Turm, sondern die Glocken waren zunächst auf einem Gerüst von Eichenholz südlich der Kirche aufgehängt, seit Mitte des vorigen Jahrhunderts auf dem Kirchboden. Weil schließlich das Mauerwerk litt und die Glocken nur wenig hörbar waren, wurde 1901 der massive Glockenturm erbaut und gleichzeitig eine durchgreifende Erneuerung der Kirche vorgenommen.
Die Orgel in Tetta wurde 1914 für 2700 Mark von Schuster, Zittau, die Orgel in Buchholz im Inflationsjahr 1923 gegen 320 Zentner Roggen von Heinze, Sorau, erbaut. 1913 wurde eine neue Küsterschule erbaut und 1914 eingeweiht. Die alte Schule wurde mit Hilfe der ältesten Tochter der Frau Patronin, Fräulein Erna Tillgner, in ein Gemeindeheim umgewandelt. Frau Rittergutsbesitzer Tillgner hat die Kirchengemeinde auch die im Jahre 1912 erfolgte Gründung der Diakonissenstation zu verdanken, deren Weiterbestehen jetzt durch finanzielle Schwierigkeiten stark gefährdet ist.
Und was erzählen die Glocken der beiden Kirchen? Die früheren uralten Glocken in Krischa wurden am 21.Januar 1703 beim Begräbnis einer Gärtnerwitwe Ische zu Maltitz das letzte Mal geläutet: denn am folgenden Morgen schmolzen sie im Brande der Kirche. Aus dem geschmolzenen Metall fertigte 1709 Michael Weinhold 3 neue Glocken. Die neue große und mittlere Glocke berichten über den Brand der Kirche und darüber, wie die neuen Glocken erst nach dem Tode des Herrn Gustav Moritz v. Warnsdorff und auf dessen Wunsch durch seine Söhne, August, Heinrich und Joh. Moritz beschafft wurden. Sie kosteten 257 Taler und 20 Groschen ohne das alte Metall und wiegen 10 Zentner, 17 Pfund, 5 Zentner 39 Pfund- 3 Zentner 48 Pfund. Der oberste Rand aller drei Glocken enthielt neben der Jahreszahl den Namen des Gießers, darunter das Warnsdorffsche Wappen mit der Beischrift: Mein Gott, gedenke meiner allzeit im besten. August Herr v. Warnsdorff. Auf der großen Glocke stand außerdem ein zweizeiliger Reim mit der Mahnung, der Glocken Klang ins Herz dringen zu lassen, und auf der mittleren Glocke Psalm 116,12: Quid retribuam tibi, Domine, pro omnibus, quae tribuisti mihi? (Wie soll ich dem Herrn danken alle seine Wohltat, die er an mir tut?) Diese Glocken wurden am 19.9.1709 auf den Turm gebracht. Am 24. Dezember 1805 beim Christnachtsläuten zersprang die große Glocke, und erst nach 36 Jahren, am 29.10.1841, konnte die von Gruhl gegossene neue große Glocke auf den Turm gebracht werden, wovon die Inschrift berichtet. Auf der Vorderseite steht unter Luthers Bildnis: Glaube und Hoffnung, verklärt in der Liebe, ist Geist der Kirche. Außer dem Namen des Zollators Fr. Ed. Ludw. Wolf auf Krischa sind auf der Glocke genannt den Stift Joachimstein, die eingepfarrte Herrschaft zu Maltitz, Sup. P. Timotheus Schulze u.a.m.
1903 stiftete die Patronin Frau Ritterguthsbesitzer Tillgner zum Andenken an ihren im selben Jahre verstorbenen Gatten ein neues Geläut. Die vorhandenen 3 Glocken, von denen die große Glocke gesprungen war, wurde umgegossen. Die große Glocke zeigte ein Kruzifix, darunter: Ich lieg und schlafe ganz in Frieden. Auf der Rückseite stand: Diese Glocke stiftete die Patronin der hiesigen Kirche, Frau Wally Tillgner, zum Andenken an ihren am 3. Oktober 1908 verstorbenen unvergesslichen Gatten. Felix Raede, Pastor von Krischa- Tetta, Karl Neumann, Karl Kretschmer, Hermann Stoß, August Rentzsch, Mitglieder des Gemeindekirchenrats. Gegossen im Jahre des Herrn 1908. Die mittlere Glocke zeigte das Lamm mit der Siegesfahne, darunter: Ehre sei Gott in der Höhe, Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen. Revers wie die große Glocke. Auf der kleinen Glocke war eine Taube angebracht und die Inschrift: Lasset die Kindlein zu mir kommen. Revers wie große Glocke. Die große und die mittlere Glocke mussten 1917 an die Heeresverwaltung abgeliefert werden. 1925 wurden bei Geittner- Söhne in Breslau zwei neue Glocken gegossen. Die große Glocke enthält die Inschrift: Unseren im Weltkriege gefallenen Brüdern. Sei getreu bis in den Tod. Anno Domini Kehret auch zu Gott, so kehret er sich zu euch. Anno Domini 1925. Geittner Söhne Breslau.
Die der St. Hedwig geweihte Kirche in Tetta trägt in ihrem 1901 erbauten Turme ein altes schönes Geläut von 3 Glocken. Die steifen Bügel, die steile Wendung und die rauhe Oberfläche der 98cm weiten großen Glocke lassen auf hohen Alter schließen. Zwischen den einzelnen Worten der auf einem Bande unter der Krone befindlichen Inschrift hilf got maria berot alles das wir beginnen (dass) es ein gut ende gewinne stehen Medaillen mit Maria, die Krone und Szepter trägt und das Kind auf ihrem Arme hält. Eine nach Gestalt, Klang und kunstvoller Ausschmückung besonders schöne Glocke ist die von Ab. Siefert 1687 in Görlitz gegossene, 83cm weite Mittelglocke. Auf dem obersten Schriftstreifen befindet sich die Inschrift: Hanns Johovae protegatte, 1687, darunter ein sehr schön gezeichneter Arabeskenkranz. Um die Mitte der Glocken laufen zwei aneinander geschlossene Schriftbänder mit dem Namen des Gießers auf der einen und den Worten: Non dormit qui custodit ( der Wächter schläft nicht ) auf der anderen Seite. Zwischen dieser Inschrift und dem oberen Band befindet sich über dem Namen des Kollators Gustav Moritz v. Warnsdorff dessen Wappen und auf der Rückseite das Wappen Sieferts. Die beiden untersten Schriftbänder haben das Chronostichon: Te La V Det, ser Vater orbis spIrItVs oMnIs et VI (vi) prasstantl et VcOe scnante graVi und das Distichon: ista sono populum sonoro, Intonet ut laudez hic, pie Christe, tuch (Diese Glocke hier ruft das Volk laut tönend zusammen, dass es hier anstimmt frommer Christus, dein Lob.) Zwischen den Worten stehen tulpenähnliche Blümchen. Die kleine Glocke ist jedenfalls von demselben Gießer wie die große Glocke gegossen, denn sie trägt nicht dieselbe Inschrift (in abgekürzter Form wegen des beschränkten Raumes) , sondern auch das Medaillon zwischen den einzelnen Worten wie die große Glocke.
Die mittlere Glocke musste 1917 an die Heeresverwaltung abgeliefert werden, die große Glocke und die kleine Glocke blieben wegen ihres geschichtlichen Wertes damals erhalten. Da sie schlecht zueinander stimmten, wurden zwei neue Glocken gegossen, die alte kleine Glocke blieb aber in der Kirche erhalten durch ein Geldgeschenk von Bauerngutsbesitzer H. Ender der Kirche erhalten und als 4. Glocke auf dem Glockenstuhl aufgehängt. Die mittlere Glocke hat die Inschrift: Den Gedächtnis unserer im Weltkrieg gefallener Brüder. Anno Domino 1925, A. Geittner Söhne Breslau, die kleine Glocke: Ach, Herr einselig und gib mir durch Jesum Christum. Amen. Anno Domino 1925, A. Geittner Söhne, Breslau.
Um die Tettaer Glocken rankt sich noch eine kleine Sage. Im 15. Jahrhundert, da die Pest nicht aufhören wollte, glaubte man, dass das Glockengeläut sie herbeiziehe. Daher nahm man die Glocken von dem hölzernen Turme herab und vergrub sie. Später, als dies vergessen oder der kleine Ort ausgestorben war, wurde die große Glocke von einer Sau aufgewühlt und die kleinere von einem Hahne ausgescharrt, worauf man beide Glocken wieder auf den Turm brachte.
Der zweite Weltkrieg hat leider den beiden Kirchen alle Glocken genommen bis auf eine kleine in Buchholz und eine größere in Tetta, die nun die Gemeinde ins Gotteshaus rufen.
17.12.1950
