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Gottesdienst: „Gute Reise!“

Die 3. Sächsische Landesausstellung „via regia - 800 Jahre Bewegung und Begegnung“ wurde mit einem ökumenischen Gottesdienst eröffnet

Gottesdienst: „Gute Reise!“

„Europa entsteht in der Begegnung von Menschen, die Grenzen überschreiten“, sagte Sachsens Regierungschef Stanislaw Tillich am Samstag. Er war zuvor den „Königsweg“ durch Görlitz launig selbst entlang gegangen. Fotos: Ernst-Bertram

Bettina Ernst-Bertram

Mit einem ökumenischen Gottesdienst in der Kirche St. Peter und Paul und einem Festakt im Theater wurde am Samstag in Görlitz die 3. Sächsische Landesausstellung „Via regia - 800 Jahre Bewegung und Begegnung" eröffnet: Mit politischer Prominenz, mit mehreren Bischöfen – aus Dresden, aus Berlin, aus Breslau – und den ranghöchsten katholischen Würdenträgern der Gegend und vielen weiteren Besuchern: 2.000 Menschen drängten am Eröffnungswochenende in den Kaisertrutz. Denn dort in der über 500 Jahre alten runden Kanonenbastion ist die Ausstellung auf fünf Etagen bis zum 31. Oktober untergebracht. In deren Mittelpunkt steht die via regia, jene geschichtsträchtige Ost-West-Verbindung zwischen Thüringen und Sachsen im Westen und Schlesien und Polen bzw. Böhmen im Osten durch acht Jahrhunderte. 

„Es sind Leihgaben zu sehen, die hierzulande bisher noch nie gezeigt wurden, internationale hochrangige Ausstellungsstücke, die auch offenbaren, wie eng die Regionen damals miteinander verbunden waren“, sagt Roland Enke, der Kurator. „Nie ist eine Landesausstellung so europäisch gewesen wie diese.“ Die dominierende Ost-West-Achse, die verschiedensten Menschengruppen an und auf der Straße, der Waren-, Kultur- und Ideentransfer zwischen Leipzig, Görlitz, Breslau und darüber hinaus, die großen Linien und das tragende Fundament – die sächsische Landesausstellung ist eine Einladung an Schulkinder und Erwachsene, sich der 800-jährigen Geschichte einer bedeutenden Lebensader Europas auf multimediale Weise zu nähern. 

Bewegung und Verwurzelung

Der sächsische Bischof Jochen Bohl nahm dem Thema „Bewegung und Begegnung an der via regia“ ein wenig von seiner Geschwindigkeit, indem er in seiner Eröffnungspredigt auch den Wert von Heimat und Verwurzelung unterstrich. Zwar sei „Bewegung Quelle jeglicher Inspiration“ und „ein gelingendes Leben gar nicht vorstellbar ohne den Austausch mit anderen“, doch zugleich sei auch wichtig, dass Menschen an ihrer Heimat hängen: „Sie hängen an den Erinnerungen der Kindheit, an der eigenen Sprachmelodie, den Erzählungen der vorangegangenen Generationen“, so Bohl. Auch die Schönheit von Görlitz sei gar nicht zu erklären ohne den Bürgerstolz und die starke Bindung der Menschen an ihren Heimatort. „Wer aufbricht, braucht ein Fundament“ , sagte Bohl auch mit Blick auf Abraham, der im Vertrauen auf Gottes Wort als festem Boden unter den Füßen in die Zukunft aufgebrochen war. 

Der Direktor der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden träumte beim Festakt bereits vom Kultstatus der via regia - ähnlich der Route 66 durch Amerika. 

„Reisen ist tödlich für Vorurteile“

Ein 89-jährige agiler alter Herr aus Polen verkörperte mit seiner Biografie die Chancen des neuen Europa, für die auch die moderne via regia steht, am eindrücklichsten. Wladislaw Bartoszewski. Er hat unter Hitler in Auschwitz gesessen, hat Juden gerettet, war von den polnischen Stalinisten inhaftiert, später auch von General Jaruzelski, bevor er im freien Polen Außenminister und Brückenbauer werden konnte. Bartoszewski  warb in Görlitz an der via regia für die Schaffung einer Infrastruktur des Reisens, nicht nur auf logistische, auch auf psychologische Weise: Denn „Reisen ist tödlich für Vorurteile (Mark Twain).“ Mit Blick auf die Neubelebung der via regia bis nach Kiew in der Ukraine sagte der Außenpolitiker: „Es ist auch eine Art des Realismus, unmögliche Sachen zu schaffen. Gute Reise!“

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