Gemeindebegegnung: Kelch aus Gruna kehrt zurück
Christen des Sprengels Görlitz und der Diözese Breslau feierten eine Woche nach Pfingsten in Lauban ihren Partnerschaftstag.
Bettina Ernst-Bertram
In einem der beiden rappelvollen Reisebusse, die aus dem Kirchenkreis nach Lauban fuhren, zählte der Görlitzer Kirchenmusikdirektor Erich Wilke die vergangenen Begegnungstage auf: „91 Görlitz, 93 Cieszyn, 94 Niesky, 96 Prag, 99 Český Tešín, ...“ Das klang wie die WM-Siegesreihe der Nationalelf. „Seit 20 Jahren gibt es die Begegnungskirchentage!“, ruft er durchs Mikrophon. Wilke war mit dem Lutherkirchenchor von Anfang an dabei. In späteren Jahren zogen die Begegnungen, die einst zwischen der Görlitzer Kirche und der Diözese Breslau begonnen hatten, immer weitere Kreise. Oldenburger, slowakische, ungarische, sächsische Christen kamen dazu: Die Begegnungstage 2005 in Prag und 2008 in Bratislava wuchsen zu riesigen Christentreffen mit mehreren Tausend Besuchern an. Im Schatten dieser großen Feste wurde seit 2008 die Tradition der Begegnungstage zwischen den Gemeinden im überschaubaren Kreis wiederbelebt.
So ein Treffen war das am Samstag in Lauban. Die dortige Evangelische Gemeinde hatte aber zugleich noch einen anderen Grund zum Feiern: ihr fünfjähriges Bestehen, weshalb nicht nur Bischof Ryszard Bogusz aus Breslau, sondern auch der Warschauer Bischof Jerzy Samiec mit dabei war.
Starkes Symbol unseres Miteinander
Generalsuperintendent Martin Herche brachte als Geschenk einen Abendmahlskelch nach Lauban mit, der aus Gruna (heute Gronów, Zgorzelec) stammt. Dieser 1838 gestiftete Kelch der schlesischen Gemeinde war in den Wirren zum Ende des 2. Weltkrieges von einer Familie aus Gruna mitgenommen worden. Im vergangenen Jahr hat ein Mitglied der der nächsten Generation der weiteren Verwandtschaft diesen Kelch aus der früheren schlesischen Kirche an den Görlitzer Generalsuperintendenten übergeben, verbunden mit der Bitte, dieser möge ihn „an eine Gemeinde der schlesischen Kirche diesseits oder jenseits der Neiße weiterreichen“, damit er dort wieder als Abendmahlskelch benutzt werde. Am Samstag übergab Generalsuperintendent Herche diesen Kelch Pfarrer Cezary Królewicz. Er ist Pfarrer von Lauban, aber er versorgt auch die Zgorzelecer Evangelischen (dazu zählt auch Gruna) und hält regelmäßig Gottesdienste in polnischer Sprache in der Görlitzer Peterskirche. So ist der Kelch nun bei den evangelischen Polen angekommen. „Ein ganz starkes Symbol unseres Miteinander“, nennt Herche diese Rückkehr.
Später standen Podien zu Partnerschaft und Diakonie auf dem Programm, zeitgleich Stadtführungen durch Lauban. Manch einer blieb einfach auf dem Gelände vor der Frauenkirche sitzen, ins Gespräch vertieft, denn dafür ist ein solcher Tag auch gut. Mit Chorkonzert und Reisesegen endete der Tag.
Begegnung Bad Muskau 2012
Der nächste Begegnungskirchentag 2012 wird in Bad Muskau sein. Die Görlitzer Regionalkantorin Ulrike Scheytt, die in Lauban die Orgel spielte, plant, dass sich dort noch mehr Jugendliche und Familien angesprochen fühlen sollen und hat auch schon pfiffige Ideen fürs Programm. Sie hätte außerdem den Wunsch, dass die tollen Chöre mehr miteinander als nacheinander singen. Vielleicht kommt 2012 auch mal eine Band dazu? Ausgesprochene Freude hatte die aus Württemberg stammende Musikerin an dem deutsch-polnischen Stimmen- und Sprachengewirr, wenn Choräle und Gebete simultan in beiden Sprachen durch die Frauenkirche schallten. Musikalisch legte sie an der Orgel der Frauenkirche den alten Pfingsthymnus „Veni creator....“ über das babylonische Sprachengewirr, „Komm, Schöpfer Geist...“, viele Sprachen, ein Geist, eine Woche nach Pfingsten, „Das trifft ja den verbindenden Kern der Sache sagenhaft!“, war die Kirchenmusikerin begeistert.
