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Ausstellung: Warten auf das Christkind

Bei Katrin Müller im Seifersdorfer Stall gibt es ein Aufatmen für gestresste Gruppen. Sie lädt zur Adventfeier ein, sie hält eine Andacht, weiß Geschichten und macht Tee und Glühwein.

Ausstellung: Warten auf das Christkind

Foto: Kind in der Krippe aus England (B. Bertram)

Von Bettina Ernst-Bertram

Der Stall von Nieder Seifersdorf öffnet in dieser Advents- und Weihnachtszeit zum fünften Mal seine Tür. 170 Krippen aus aller Welt hat die pensionierte Pfarrerin Katrin Müller mittlerweile. Die sind seit dem 1. Advent wieder in den Nischen und Schrägen ihres Stalles in Nieder Seifersdorf zu sehen. In den beiden Etagen des Häuschens findet Vieles, was auf den Kontinenten an Jesus-, Maria- und Josefsfiguren, an Engeln, Hirten und morgenländischen Weisen gern gehabt wird, seinen Platz. Hohe Kunst und die Krippe vom Bastelkreis oder die „kultigen drei Könige“ aus der Berliner Behindertenwerkstatt kommen gleichermaßen zu Ehren. Beleuchtet von Herrnhuter Sternen oder vom Kamin, den Müllers anfeuern, erscheinen die Krippen in warmem Licht.

Rastlos nach Bethlehem

In diesem Jahr stellte Katrin Müller neue Krippenfiguren in die Sammlung: Sie stammen von Pfarrer Hans-Joachim Kohli aus Görlitz, der in diesem Sommer im 98. Lebensjahr gestorben ist, ihrem Vater. Die geschnitzten Figuren sind Charaktere mit kantiger Stirn, ganz und gar nicht „süß“. Rastlos, zäh und unaufhaltbar sind sie zum Stall von Bethlehem unterwegs. Ein Fuß eines Hirten ist lädiert, er erinnert an den Heimkehrer Beckmann aus Wolfgang Borcherts „Draußen vor der Tür“. Die Figuren hat ein Flüchtling geschnitzt und dem Vater verkauft. „Sie kamen eilend“, so hatte der Schnitzer sie genannt. „Diese Krippe ist für mich die wichtigste in dieser Ausstellung, denn sie ist die Weihnachtskrippe meiner Kindheit“, erzählt Katrin Müller, Dritte unter fünf Geschwistern. „Wir hatten zwar kein Geld für ,Extras‘ übrig, aber diese Figuren waren meinem Vater lieb und teuer.“ Pfarrer Kohli wurde bei seiner Beerdigung im Sommer als „Zeuge des Jahrhundertweges“ bezeichnet, noch als einer der Letzten war er 1938 Absolvent des Predigerseminars in Naumburg am Queis gewesen, bevor es von den Nationalsozialisten geschlossen wurde. 1939 wurde er in der Breslauer St. Elisabethkirche in den Pfarrdienst ordiniert. Von dort ging’s in den Krieg. Die Familie kam 1945 als Flüchtlinge bei Esther von Kirchbach im Pfarrhaus von Freiberg unter. Später, in den fünfziger Jahren, wurde Kohli Pfarrer in der Görlitzer Dreifaltigkeitskirche. „Ich verbinde mit dieser Krippe viele Erinnerungen an frühere Weihnachten“, sagt die Tochter, die nun auch schon Pfarrerin „in Ruhe“ ist.

Ruhe am Kamin

Katrin Müller weiß, dass die Advents- und Weihnachtszeit für viele Aktive zu einer besonders hektischen Zeit wird. Deshalb lädt sie Hauskreise und Gruppen bis zu 16 Leuten ein, ihre Advents- oder Weihnachtsrunden in ihrem Nieder Seifersdorfer Stall am flackernden Kaminfeuer zu feiern. Sie selbst übernimmt die Andacht, sie hat passende Geschichten, Lieder, Tee und Glühwein parat.

Geöffnet an den Adventswochenenden jeweils von 14.30-17.30 Uhr und vom 26.12. bis 6.1. (außer Silvester) von 14.30 bis 17.30 Uhr und nach Absprache: Telefon: 035827/782 64, Arnsdorfer Str. 25, 02906 Waldhufen-Nieder Seifersdorf.

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